Kork als Fahrzeugdämmung

Fugen füllen mit Spritzkork zwischen Korkdämmplatten im LAK2 eines IFA L60 4x4 Lkw

Kork ist langlebig, atmungsaktiv, ungezieferresistent, brandhemmend, schimmelfest und ein nachwachsender Rohstoff. Wieso ihn also nicht auch als Fahrzeugdämmung einsetzen? Die einzig sinnvollen Alternativen für Dämmung im Fernreiselaster scheinen sonst technische Schäume oder andere Kunststoffe zu sein. In Anbetracht der eh schon schlechten Umweltverträglichkeit eines Lkw, ist uns das Naturprodukt Kork da bedeutend sympathischer. Obwohl es keine Referenzen für Kork im Fahrzeugbau zu geben scheint, wollen wir es dennoch probieren.

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Übersicht

1. Die Idee einer ökologischen Dämmung im Lkw

2. Planung und Umsetzung

3. Verarbeitung und Einbau

4. Die Korkdämmung im Praxistest

5. Fazit – Würden wir es wieder tun?

Die Idee einer ökologischen Dämmung im Lkw

Auf der Suche nach einem nachhaltigen Dämmstoff für unseren 4×4 Lkw begegnet mir Kork erstmals in einer Abhandlung über historische Großsegler. Da ist die Rede davon, dass er im hölzernen Schiffsbauch als Dämmstoff eingesetzt wurde. Unter den dortigen feuchtkalten Bedingungen war die Materiallebensdauer auf rund zehn Jahre konzipiert. Im Vergleich dazu sind die Gegebenheiten in der wasserdichten, Glasfaser verstärkten Kunststoffhülle (GFK) des Lkw-Aufbaus mehr als optimal. Da muss der Kork doch ewig halten, oder?

IFA L60 vor schneebedeckten Bergen an der türkischen Westküste
Passen Trucklife und ein grünes Gewissen zusammen?

Unser Interesse ist geweckt und wir beginnen die Recherche. Vereinzelt finden sich mit Google oder Pinterest Camperprojekte, bei deren Innenausbau Kork genutzt wurde. Leider gibt es bis dato keinen veröffentlichten Fahrzeugausbau, bei dem Kork das Hauptdämmmaterial ist. Der Naturstoff wird ausschließlich mit Plattenstärken im Millimeterbereich verbaut und auch „nur“ für Fußböden oder als sympathische Wandverkleidung über der eigentlichen Dämmung.
Ganz anders sieht das im Hausbau aus. Dort wird Kork nicht nur als Fußboden eingesetzt, sondern auch als Wand-/Fassadendämmung mit beachtlichen Stärken von mehreren Zentimetern. Zum Teil finde ich sogar Hinweise darauf, dass Backkork (mit heißem Wasserdampf „aufgebackenes“ Korkgranulat in Plattenform) im Außenbereich eingesetzt werden kann.

Auch weil unser Lkw in seinem späteren Leben sowohl Wüstenhitze als auch niedrigen Minusgraden ausgesetzt werden soll, stößt unsere Nachforschung nun an ihre Grenzen. Wir benötigen professionellen Rat. Nach viel unverständlichem Kopfschütteln und plumpen Unwissen in Baustoffhandeln und Baumärkten radle ich zufällig auf der Bürgerstraße in Dresden am Korkstudio NABO-KORK vorbei. Obwohl auch sie noch nie mit Kork ein Fahrzeug gedämmt haben, können sie auf jahrelange Erfahrung im Bereich der Gebäude-/ Innenraumdämmung zurückgreifen. Die Inhaberin Frau Stefanie Kaden bietet mir ohne Umschweife ihre Hilfe an.

Autobahnabfahrt in Ungarn im Winter mit vereistem IFA L60 4x4
Von strammem Frost bis Wüstenhitze muss die Dämmung alles abkönnen

Ich erkläre also mein Vorhaben und gebe einen Temperaturbereich von +90 bis – 30 °C als späteren Einsatzbereich vor. Trotz dieser Anforderung soll das spätere Raumklima aber nicht vom Kork, dem Kleber oder der Oberflächenversiegelung mit Schadstoffen belastet werden. Außerdem muss ich wissen, ob die Korkdämmung eine Hinterlüftung benötigt und wie pflegeleicht die Oberfläche ist.

Planung und Umsetzung

Einige Zeit später erhalte ich Nachricht von Frau Kaden, dass alle Fragen beantwortet sind. Als Kleber schlägt sie den Korkkontaktklebstoff D3540 von Wakol* vor. Mechanische Belastung durch Fahrvibrationen, Materialausdehnung des Trägerstoffes GFK oder etwaige (minimale) Fahrzeugverwindungen soll dieser auch aushalten. Laut des kontaktierten Anwendungstechnikers der Firma ist mein geplanter Temperaturbereich für den Leim ebenfalls kein Problem. Leider ist er nicht lösungsmittelfrei, denn andernfalls wären die Hafteigenschaften wohl unzureichend. Das Raumklima wird er wohl trotzdem nicht belasten, weil er für die Verwendung in Wohnräumen getestet und zugelassen ist.
Gleiches gilt für die RigoStep C600 Oberflächenversiegelung, wodurch die Korkoberfläche später leicht zu reinigen ist. Bei mehrfachem Anstrich würden die Korkplatten sogar mit Straßenschuhen begehbar sein. Das ist insofern interessant, da wir in Hinblick auf die schmutzigen Stiefel der Zöllner an diversen Grenzen noch den richtigen Bodenbelag benötigen.

Was die Hinterlüftung angeht, gibt es auch gute Neuigkeiten: Wir brauchen keine. Trotz Farbanstrich und Oberflächenversiegelung bleibt die Korkdämmung atmungsaktiv. Etwaiges Kondenswasser von Kältebrücken müsste also durch das Material hindurch abziehen. Sofern wir etwas Farbe in der Bude wünschen, eignen sich dafür handelsübliche Wohnraumanstriche aus dem Baumarkt. Sie sollen die Atmungsaktivität des Korks nicht negativ beeinflussen.

Der ehemalige LAKII der NVA als Wohnkoffer fürs Fernreisemobil
Im zukünftigen Wohnaufbau unseres Lkw existieren nahezu keine rechten Winkel oder geraden Kanten. Die Wände bauchen fast alle nach außen.

Etwas schwieriger wird die Auswahl der richtigen Korkvariante bzw. Materialstärke. Der billigere Backkork scheidet leider gleich zu Anfang aus. Er ist aufgrund seiner Materialstärke kaum in die Wandrundungen unseres Kofferaufbaus hineinbiegbar. Zudem verströmt er einen gewissen Verschwelungsgeruch. Entscheidend ist nun die Wärmeleitfähigkeit von Kork. Je nach Variante wird diese mit 0,04 bis 0,06 W/(m•K) angegeben. Diese Einheit bezeichnet Watt pro Meter und Kelvin. Ein kleiner Wert bedeutet somit eine schlechtere Wärmeleitfähigkeit und damit eine bessere Dämmung. Im Vergleich zu gängigen technischen Dämmschäumen im Kfz-Bereich dämmt Kork somit bis zu einem Drittel schlechter. Meine stichprobenartige Nachforschung ergibt, dass im Expeditionsfahrzeugbau bei der Isolation Kunststoffe von mindestens 20 mm Stärke eingesetzt werden. Äquivalent wären also 30 mm starke Korkplatten sinnvoll.
Nach Abgleich mit verschiedenen Zulieferern von NABO-KORK kommen für uns zwei Varianten infrage:

Nummer eins: 10 mm Presskork auf Rolle in zwei bis drei Schichten angebracht

Nummer zwei: 25 mm Presskork als Platten (=sowas wie dicke Pinnwände)

(Nummer drei: ≥30 mm Presskork als Platten übersteigt leider unser Budget)

Da es Arbeitszeit beim Zuschnitt einspart und insgesamt etwas günstiger ist, wählen wir Variante zwei. Als Bedarf ermesse ich eine Fläche von rund 15 m2. Fensteraussparungen, Bodenplatte, Dachluke und Holzverkleidungen sind davon bereits abgezogen. Inklusive etwas Verschnitt von 1,8 m2 ordern wir 30 Korkplatten (915 x 610 mm) von insgesamt 16,8 m2 für 37,50 € pro m2. Dazu kommen noch zwei Liter Korklack und 4,1 kg Korkkleber.

Eine Anmerkung zum Kork: Selbstverständlich ersteht man ihn im Internet billiger. Allerdings lässt sich ohne direkten Kontakt zum Hersteller nicht ausschließen, dass die gepressten Korkplatten Schadstoffe enthalten oder mit billigem Material gestreckt sind.

Verarbeitung und Einbau

Entkernter und restaurierter LAKII Kofferaufbau der NVA für den zukünftigen Fernreiselaster
Fertiger Rohbau; Der LAK II Kofferaufbau ist entkernt, angeschliffen, gespachtelt, abgedichtet und fertig zum Dämmen.

Wie jeder gute Träumer haben natürlich auch wir zu wenig Geld, um unsere Visionen als Fertigprodukt zu kaufen. Glücklicherweise erhalten wir auch bei dieser Eigenleistung am Lkw wieder sehr viel Hilfe, diesmal von unseren Eltern. Wer möchte, würde den Einbau der Dämmung zwar auch allein schaffen, aber größere Korkplatten anhalten, zurechtschneiden und an der richtigen Stelle auf den Kontaktkleber aufsetzen funktioniert zu zweit bedeutend nervenschonender.

Kontaktkleber auf Lack im GFK Kofferaufbau LAK II der NVA wird abgezogen
Auf unangeschliffenem Lack haftet der Korkkleber sehr schlecht

Zuerst Probekleben! Bevor es richtig losgeht, empfehlen sich ein paar Probeklebungen auf den betreffenden Untergründen. Vom Korkstudio haben wir dafür Reststücke erhalten. Da unser Projekt auch in Bezug auf den Wohnkoffer eine Generalüberholung ist, haben wir ihn komplett entkernt, die Farbe bis auf die nackte GFK-Wand heruntergeschliffen (80er Körnung mit Exzenterschleifer) und unnötige Löcher sind mit GFK-Spachtelmasse geschlossen. Auf den blanken Wänden hält der Kleber sogar so gut, dass die Korkstücke nur mit einem Stemmeisen wieder vom GFK zu bekommen sind. Problematischer sind die großen Spachtelflecken. Weil die Spachtelmasse ansonsten Wasser aufnimmt, sind die Stellen nämlich überlackiert. Sobald die Lackstellen per Hand etwas angeschliffen sind, hat der Korkkleber aber auch hier wieder ausreichend Haftung.

Verarbeitung der Korkdämmung mit Tischkreissäge
Am praktikabelsten für lange gerade Schnitte oder Schrägen an den Korkplatten war eine Tischkreissäge

Platten zurechtschneiden: Die mit Abstand aufwendigste Arbeit ist das Ausmessen und Einpassen der Korkplatten. Da wir in der Hälfte unseres Wohnraumes die Optik des Naturstoffes Kork haben wollen, spielt hier eine einheitlich kleine Fugenbreite zwischen den Platten eine wichtige Rolle. Entsprechend oft begangen ist der Weg zwischen Werkbank und Wohnaufbau zum „Anprobieren“. Bearbeiten lässt sich der Kork allerdings sehr gut. Am praktikabelsten für lange gerade Schnitte oder Schrägen war eine Tischkreissäge. Aussparungen haben wir mit einem feinem Metallsägeblatt in der Stichsäge geschnitten. Einpassen bzw. Nacharbeiten ging gut mit Sandpapier und Cuttermesser.

Verkleben: Das Aufbringen der zurechtgeschnittenen Platten klappt am besten mit vier Händen. Umsetzen oder verrutschen des Korks ist nämlich nicht mehr möglich, sobald der Leim einmal klebt. Dieser wird zuvor flächig auf Korkplatte und Wand mit einer 4-mm-Velourrolle aufgebracht. Bei einer Verarbeitungstemperatur von 15 bis 27 °C trocknet der Kleber dann bis er nicht mehr weiß, sondern durchsichtig ist. Sobald sich die beiden Leimflächen dann berühren, haften sie aufeinander. Genauso wie beim Verlegen von Kork als Fußboden müssen die frisch geklebten Platten noch mit einem weißen Gummihammer (schwarz hinterlässte teilweise Flecken) angeschlagen werden. Bei Kontaktklebern ist die Klebkraft nämlich nicht umso höher, je mehr Leim aufgebracht wird, sondern abhängig vom Druck. Um keine Stelle zu vergessen, haben wir jede Dämmplatte zwei- bis dreimal durchgehämmert. Besonders an der Decke habe ich davon, trotz Einteilung in Etappen, übel schwere Arme bekommen.

Mit etwa 0,3 kg Kleber pro Quadratmeter Kork, liegt unser Leimverbauch etwas höher als veranschlagt.

Frisch gestrichener Korkleim auf GFK im LAKII Wohnkoffer
Mit Pinsel bzw. Velourrolle aufgebracht, ist der Korkkontaktkleber fertig getrocknet, sobald er durchsichtig und nicht mehr milchig ist

Wichtig war noch, die Korkplatten bei einer ähnlichen Temperatur einzupassen und einzubauen. Ein Korkstück hatten wir nämlich bei etwa 15 °C vorbereitet und wollten es später einbauen, obwohl 25 °C herrschten. Das Stück war nun 5 mm zu klein, weil sich die die GFK-Wände des Lkw so stark ausgedehnt hatten.

Halbfertige Korkdämmung im LAK II Wohnmobilaufbau mit Montagefertigen Platten
Der Kontaktkleber auf fünf Korkplatten ist fertig getrocknet. Die Platten können nun an der Wand angehämmert werden.

Oberflächenversiegelung & Farbe: Um im fertigen Kofferaufbau etwas mehr Raumgefühl zu haben streichen wir die Hälfte unserer späteren 8 m2-Bleibe mit handelsüblicher Wohnraumfarbe weiß. Das spart gleichzeitig etwas Arbeit, denn die Ritzen zwischen den Korkplatten können so mit Acrylfugen geschlossen werden. Zu dem Zeitpunkt weiß ich zwar noch nicht, dass ein paar der Fugen später reißen werden, aber zumindest ist Acryl sehr gut überstreichbar. Bis die Farbe den Kork homogen überdeckt, waren zwei Anstriche nötig. Den Korklack zur Oberflächenversiegelung haben wir ebenfalls zweimal aufgebracht. Am besten funktionierte das in den Ecken mit einem Pinsel und auf der Fläche mit einer Schaumstoffrolle.

Weiße Innenraumgestaltung der Korkdämmung im IFA L60 Weltreise Wohnmobil
Die Hälfte des späteren Wohnraums im LAK II Koffer wird weiß. Der Raum wirkt dadurch größer.
Fugenspachteln zwischen den Korkdämmplatten im IFA Fernreisemobil
Mit Paste aus Holzkaltleim (wird durchsichtig beim Trocknen) und Korkspänen schließt Susi die Fugen. Spritzkork funktioniert jedoch besser.

Da die zweite Wohnraumhälfte in Korkoptik bleibt, ist für die Fugen zwischen den Platten etwas mehr Arbeit nötig. Zunächst versucht Susi sie mit einer Masse aus Spänen des gesägten Korks und Holzkaltleim (dieser wird nach dem Trocknen durchsichtig) zu schließen. Da das Fugenspachteln aber sehr viel Arbeit ist und sich die selbstgemachte Fugenmasse sehr stark vom restlichen Kork abhebt, muss eine Alternative her. Das Korkstudio empfiehlt uns dafür Spritzkork von Bostik* für die Verarbeitung mit einer Beutelpresse* (Achtung: kein Profigerät, aber für Projekt ausreichend). Diese Masse ist bedeutend leichter in die Ritzen einzubringen (siehe Titelbild des Artikels). Sie hebt sich nach dem Trocknen und Überlackieren auch kaum noch von den Korkplatten ab, zumindest dort, wo ich nicht drüber geschmiert und sie ordentlich mit dem Finger abgezogen habe. Da diesmal keine Farbe unter den Lack kam, haben wir für die zwei Lackschichten allerdings merklich mehr verbraucht und mussten Lack nachbestellen.

Die Korkdämmung im Praxistest

Der Realitätstest unserer Arbeit beginnt zeitiger, als uns lieb ist. Mehrere Wochen vor Reisebeginn lösen sich zwei der fertigen Deckenplatten im Lkw. Der Kleber hatte auf ca. 40 % dieser beiden Korkstücke seine Haftung verloren. Um diese nicht komplett ablösen zu müssen, packen wir PETEC Karosseriedichtmasse* in eine Kartuschenpresse mit langer dünner Düse, pressen sie hinter die Platten und drücken sie wieder an. Alternativ zu dieser Dichtmasse geht sicher auch Sikaflex oder ähnliche Produkte, allerdings habe ich dazu keine Erfahrungen. Als Ursache des Schadens kommt aus meiner Sicht nur die Verarbeitungstemperatur in Frage, denn angehämmert hatte ich alles intensiver als nötig. Außerdem gehörten die beiden Platten zu den letzten, die wir im Wohnkoffer verklebt haben. Eben in dieser Zeit war leider auch die Temperatur mit über 30 °C sehr hoch. Aus Zeitmangel hatten wir uns leider nicht immer an die empfohlene Maximalverarbeitungstemperatur des Kontaktklebers von 27 °C gehalten.

Auf der eigentlichen mehrmonatigen Reise bis nach Kleinasien gab es jedoch keine Probleme mehr mit der Befestigung des Korks. Von über 40 °C Innenraumtemperatur in der weiteren Bauphase bis zu -11 °C auf der Wintertour konnte weder Wärme noch Kälte der Verklebung der Korkplatten etwas anhaben. Die Straßen waren zwar überwiegend gut, aber auch das Gerüttel auf diversen Schlaglochpisten und Matschstrecken blieb folgenlos.

IFA L60 4x4 Lkw im Offroadgelände im Wald in der Türkei
Auch ruckelige Geländefahrstrecken konnten dem Korkkontaktkleber nichts anhaben

In Bezug auf die Reinigung waren die Korkoberflächen so pflegeleicht wie versprochen. Besonders an den Wänden, wo unter dem Korklack noch Farbe ist, gingen Verschmutzungen gut abzuwischen. Lediglich dort, wo der Lack auf den blanken Kork gestrichen ist, würde ich eher drei- statt zweimaliges Überlackieren empfehlen. Mit unseren zwei Lackschichten ist die Oberfläche mancherorts doch recht großporig. Verschüttete Sauce oder anderer hartnäckiger Schmutz geht dort nicht ganz so gut zu entfernen.

Qualmender Ofen im IFA L60 4x4 Lkw bei Überwinterung in der Türkei
Trotz guter Dämmung haben wir den Kaminofen mit 5 Kw bewusst überdimmensioniert. Der IFA ist somit auch wintertauglich.

Ebenfalls zufrieden waren wir mit dem Dämmverhalten der Platten. Zwar hatte ich den Kaminofen mit 5 Kw Heizleistung bewusst überdimensioniert gewählt, aber auch wenn dieser nicht in Betrieb war, blieb stets eine Temperaturdifferenz von mehreren Grad Celsius zur Außentemperatur erhalten. Ganz besonders fiel uns das nach einer sehr kalten Winternacht bei geöffnetem Fenster auf. Direkt nach Sonnenaufgang verließen wir den Lkw. Wir kehrten zurück, als die Außentemperatur bereits merklich angestiegen war und mussten im Lkw erst einmal Jacken überziehen. Die Dämmung hatte die Kälte zuverlässig gegen den Außenbereich abgeschirmt. Einziges, jedoch selbstverschuldetes Manko an dieser Stelle, war das Kondenswasser an den blanken GFK-Wänden. Um überhaupt noch starten zu können, haben wir den Innenausbau nämlich nicht vollendet. Somit blieben auch Teile der Wanddämmung unfertig. An diesen Stellen wurde unser Heim in allen kalten Nächten zur Tropfsteinhöhle, da die warmfeuchte Atemluft an diesen Kältebrücken kondensierte.

Teilfertiger Innenausbeu aus Holz im IFA L60 4x4 Lkw Wohnmobil
Ein Teil dieser Baustelle wird uns auch auf der Tour begleiten. Die Dämmung neben Tür und Ofen wird aus Zeitmangel unvollendet bleiben.
Lackierte und unlackierte Korkdämmung im IFA L60 4x4 Lkw Wohnmobil nach Wassereinwirkung
Die Kanten der Korkplatten sind unbehandelt und haben im Winter Wasserflecken bekommen. Da die Flächen lackiert sind, blieben sie tadellos.

Zwar hat der Kaminofen die Feuchtigkeit regelmäßig wieder weggeheizt, aber Stockflecken am GFK und Wasserspuren an den unbehandelten Stellen des Korks blieben nicht aus. An manchen Kanten hatten wir die Platten noch nicht lackiert, weil dort später noch weitergebaut wird, aber selbst da sind nur Wasserflecken entstanden, zu keiner Zeit Schimmelbewuchs. Ein kaum merklicher Kondenswasserfilm hat sich auf den lackierten Korkwänden nur einmal gebildet. Es herrschten zwischen -2 bis -8 °C und wir hatten wegen der Nähe zu einem Hotel zweieinhalb Tage den Ofen nicht angeheizt. Den Fehler hierfür würde ich jedoch nicht bei den Dämmplatten suchen. Unsere Bude war nach der Zeit nämlich so patschnass, dass die feuchte Luft aus Handtüchern, Töpfen und der Atmung gar keine andere Möglichkeit hatte, als sich an allem niederzuschlagen, was auch nur eine minimal geringere Temperatur als sie selbst besaß.

Geweißte Korkdämmplatten mit Fugenriss im IFA L60 4x4 Fernreisemobil
Die Fuge in der Bildmitte war mit Acryl geschlossen, überstrichen, überlackiert und ist nun leider wieder aufgerissen

Im Laufe der Zeit sind leider im gesamten geweißten Teil unserer rollenden Wohnung die Acrylfugen zwischen den Korkplatten mehr oder weniger gerissen. Wir hatten Acryl gewählt, weil es im Gegensatz zu Silikon, gut mit Farbe überstreichbar ist. Dabei habe ich jedoch dessen Dehnbarkeit etwas überschätzt. Gleich nach der ersten Hitzewelle während der Bauphase haben sich die GFK-Wände so stark ausgedehnt, dass die erste Fuge einen kleinen Riss bekam. Im Laufe der Reise hat sich das fortgesetzt. Sinniger wäre es vermutlich gewesen alle Fugen mit Spritzkork zu füllen. Dieser bleibt auch nach der Trocknung noch dehnbar. Bisher ist uns keine der Fugen mit Spritzkork gerissen.

Was das Raumklima angeht, hat der teure Naturstoff unsere Erwartungen absolut erfüllt. Keiner von uns hat beim Leben im Lkw Kopfschmerzen aufgrund der verarbeiteten Materialien bekommen. Weder Kleber, noch Korklack waren nach ihrer Trocknung noch erschnüffelbar. Stattdessen dominiert in unseren Wohnkoffer der Duft von Holzmöbeln und Kork, gepaart mit leichtem Kamingeruch.

Als kleinen positiven Nebeneffekt möchte ich noch die Geräuschdämmung anführen. Wenn wir mit dem IFA-Wohnmobil direkt an Landstraßen übernachtet haben, hat der Kork den Geräuschpegel im Wohnraum soweit abgedämpft, als wäre man rund 100 m vom Verkehr entfernt. Ehrlicherweise muss ich aber dazu sagen, dass mir der Vergleich fehlt, wie gut/schlecht sich andere Dämmstoffe hier verhalten.

IFA L60 4x4 Lkw auf wildem Stellplatz zwischen Landstraße und Strand in der Westtürkei
Auch neben der Landstraße können wir übernachten, denn die Korkdämmung absorbiert die Außengeräusche etwas

Fazit – Würden wir es wieder tun?

Wir würden beim nächsten Fahrzeug definitiv wieder mit Kork dämmen! Der einzige wirkliche Negativpunkt war für uns der Preis. Da wir beim Fahrzeugausbau jedoch an anderer Stelle Geld sparen konnten, hat es das Budget hergegeben. In der Praxis hat der Kork wie versprochen mit Belastbarkeit, Schimmel-/Ungezieferresistenz, guter Wärme-/Geräuschdämmung, Nachhaltigkeit und gutem Raumklima geglänzt.

Obgleich der Einbau der Dämmplatten zeitintensiver ist, als bei selbstklebenden Dämmmatten aus Kunststoff, ist das Ganze auch gut von Selbstausbauern wie uns erlernbar. Zudem lässt sich an anderer Stelle Zeit sparen, weil sowohl Hinterlüftung, als auch eine Verkleidung für Korkdämmungen unnötig sind. Hinzu kommt, dass bei der Oberflächengestaltung mit unterschiedlichen Optiken und Farben sehr viel mehr möglich ist, als bei einer schnöden Dämmmatte.

Neben unseren Holzmöbeln im Lkw war es ganz besonders die Korkdämmung, die das Wohnmobil zum angenehmen Rückzugsort und einer vollwertigen Wohnung auf Zeit werden ließ.

Innenausbau mit Holz und Kork im IFA L60 4x4 Lkw Fernreisemobil
Kork zum Dämmen im Fernreisemobil; Wir würden es wieder tun!

Zum Abschluss möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Testbericht in Zusammenarbeit mit NABO-KORK entstanden ist. Dennoch entspricht das Geschriebene unserer ehrlichen Meinung und wir haben den im Text angegebenen Korkpreis selbst bezahlt.

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