Alles muss raus – Entkernen im Wohnaufbau

Hammer, Brecheisen, Müll und Farbreste im LAK II

Nach meinen ersten Schraubererfahrungen und viel Theorie, ist nun die Zeit, um richtig anzupacken. Solange es ums Rausreißen und Ausbauen geht, brauche ich auch keinerlei Erklärungen der Profis. Wegen der Schwere und Dauer mancher Arbeiten erlebe ich aber trotzdem wieder einen kleinen Tiefpunkt, bevor der Wohnkoffer endlich für den Wiederaufbau entkernt ist.

 Wasserdurchlässige Schäden an der GFK Außenhaut
Wassereinbruch im LAK II – Geplatzte Fugen und undichte Stauklappen

Von nun an werde ich jedes Arbeitsfrei, dass länger als einen Tag dauert am Lkw verbringen. Immer, wenn es bei ihr passt, begleitet mich auch Susi dabei, aber oft ergibt sich das leider nicht.

Die Technikinstandsetzung muss warten

Da der IFA bis zu seiner Fertigstellung noch einige Zeit stillstehen wird, empfielt mir ein Lkw-Schlosser auf dem Schrauberhof die Instandsetzung der Einspritzpumpe noch einige Zeit zu verschieben. Lange Standzeiten sind offensichtlich Gift für Einspritzdüsen.
Da ich dank eines Unwetters gerade festgestellt habe, dass es in unseren Wohnkoffer massiv reintropft, gibt es sowieso eine dringendere Baustelle. Bevor es dem Wasser an den Kragen geht, muss ich erst einmal aufräumen. Mir ist nicht einmal klar, was ich denn da alles gekauft habe. Im LAK II Wohnkoffer (LAK) liegen Ersatzteile, Dämmmatten, Leitungen und Abfall wüst verstreut….

Ersatzteile und Müll im LAK II
Chaotisch wie mein altes Kinderzimmer

Ein paar Stunden später habe ich den Überblick gewonnen, Metallteile wasserdicht verpackt, herausgefunden, was an Teilen vorhanden ist und nebenbei noch Ordnung geschafft. Erfreulicherweise gibt es Ersatzteile wie den großen Anlasser und die Lichtmaschine gleich zweimal.

Koffer LAK II vor dem Ausbau
Einen halben Tag sortieren später

Noch einmal ein halber Tag geht dafür drauf, den LAK auszuräumen – einmal über den Hof und ein Stockwerk nach oben. Das ganze Zeug hätte im Fahrzeug nur im Weg gestanden. Nun wird es aber wirklich Zeit für erste Arbeitsergebnisse. Als ich die großen Fußbodenplatten entnehme kullern mir zunächst allerdings die Augen aus den Höhlen. Die Metallträger im Kofferboden sind völlig von Rost zerfressen. Hoffentlich bleibt davon nach dem Sandstrahlen noch ein bisschen was übrig, das man wieder einbauen kann.

Rost im Expeditionskoffer
Die Träger unterm Fußboden haben ihre besten Zeiten hinter sich

Von den beiden zerstörtesten Trägern flexe ich die Bodenbleche ab, weil die nicht mehr zu retten sind. Im Inneren ist der Rost zum Glück nicht so tief wie erwartet. Die Träger sind alle wiederverwendbar. Trotzdem werde ich nicht umherkommen Schweißen zu lernen. Für seine über 40 Lebensjahre sieht der ehemalige Militärkoffer zwar noch gut aus, aber ich bin mir sicher, dass auch schon bessere verschrottet wurden. :p
Unter dem Fußboden aus Sandwichplatten lauern zwischen den Metallträgern teilweise alte Batterien, ausgelaufene Säure, Ölschlamm und haufenweise anderer Dreck aus der langen Lebenszeit des LAK.

Blick in die Klappe der NVA Standheizung
Die alte Sirokko 255 Standheizung wird einem Kaminofen weichen

Nachdem sich in meinem Riechorgan schwarze Klümpchen bilden und meine Hände zum Tagesende kaum noch sauber zu bekommen sind, schlussfolgere ich, dass mein Arbeitsschutz etwas größer geschrieben werden muss! Mit ölfesten Arbeitshandschuhen und ordentlichem Mundschutz arbeitet es sich gleich viel beruhigter. Für diese Art Dreck und den anstehenden Staub beim Schleifen des glasfaserverstärkten Kunstoffes (GFK) des Kofferaufbaus, nutze ich Staubschutzmasken der Klasse FFP2.

Ausgebaute Sirokko Standheizung
12 kw Dieselheizung sind eh überdimensioniert für uns

Vorher muss ich aber noch einiges aus unserem zukünftigen Heim entfernen. Die Gummieinfassungen der zerstörten ehemaligen Fenster lassen sich dabei ungefähr so gut schneiden wie Autoreifen mit einem Löffel. Obwohl das in meiner Planung nur eine Miniarbeit werden sollte, geht dafür schon wieder ein halber Tag drauf. Zum Glück geht das Herausreißen der Standheizungskiste im Aufbauinneren etwas schneller. Mit Hammer, einigen Meißeln und roher Gewalt platzt die GFK-Verklebung Stück für Stück auseinander.

Verklebte Standheizungskiste im Expeditionskoffer
Mit der eingeklebten Kiste der Standheizung habe ich leichteres Spiel als gedacht

Die alte Dieselstandheizung hatte ich bereits einige Zeit davor ausgebaut. Dabei habe ich nicht schlecht gestaunt, dass sie eine Luftheizung betreibt, die mit ihren 12 kw locker auch kleine Hallen auf Temperatur bringen könnte. Für unseren Geschmack ist das allerdings nichts: zu groß & zu umweltunfreundlich. Alternativ wollen wir später einen kleinen 5 kw Kaminofen einbauen.

LAK II beim Entkernen
Nach nicht einmal einer Stunde ist die Box aus GFK herausgerissen

Mehr Durchhaltevermögen als Motivation

Nachdem ich dann noch zigtausend rostige Schrauben und die letzten verkeimten Aluhalteschienen entfernt habe, ist der Koffer endlich leer. Unheimlich motiviert kann ich nun mit einem Exenterschleifer der loosen Farbe im Innenraum an den Kragen gehen. Nach nichteinmal zwei Tagen mit Mundschutz, Staubbrille und Gehörschutz können meine Arme den Schleifer kaum noch halten. Nach einem Schraubertag falle ich sowieso schon wie ein Sack Zement ins Bett, aber diese Schleiferei macht mich richtig alle – zumal sie noch nicht einmal Spaß macht. Besonders beim Arbeiten überm Kopf an der Decke brennt jeder einzelne betroffene Muskel wie Feuer. Irgendwann ist es mir nur noch möglich die Schleifmaschine mit Schultern, Knie oder Hüfte an die Wand zu drücken, da die Arme nicht mehr dazu im Stande sind. Nach fünf Tagen, verteilt über mehrere Arbeitseinsätze, hat der Schleif-Spuk dann endlich ein Ende, zumindest innerhalb des Fahrzeugs.

Entfernen der Farbreste im Expeditionskoffer
Links die Wand nach dem Schleifen – rechts ist die lose Farbe noch dran

Für die nächste Herkulesaufgabe bekommen wir Unterstützung. Ein ehemaliger Kollege von mir bewaffnet sich mit Hammer und Meißel, um die aufgeplatzten Fugen zwischen den Tunnelsegmenten des Fahrzeugaufbaus auszuhacken.

Mein Helfer auf dem Expeditionslkw IFA L60
Mit Unterstützung arbeitet es sich gleich viel schneller

Als das nach zwei Tagen geschafft ist, Schleifen wir die Fugenumgebung an, blasen den Staub mit Druckluft ab, reinigen sie mit Silikonentferner und sprühen Grundierung auf. Jetzt kann ich die Fugen mit Karosseriedichtmasse (so ähnlich wie Sikaflex) auffüllen. Wer schoneinmal eine Silikonfuge im Haushalt gezogen hat, weiß wie müllig das beim ersten Versuch aussieht. Mit etwas Übung ist es aber dennoch erlernbar.

Erneuern der Fugen am LAK II
Eine der ausgehackten und grundierten Fugen

Auf jeden Fall kann ich es nicht empfehlen im Hochsommer eine zentimetertiefe Fuge in einem Arbeitsgang aufzufüllen. Besser ist es zweimal anzusetzen, da die Fugenmasse von der Hitze sonst so stark ausgedehnt wird, dass das flüssige Innere durch die bereits angetrocknete äußere Schicht quillt. Trotz dieser Try- & Errorsequenzen bereitet mir diese Arbeit mehr Freude als das Schleifen. Am Abend ein Feierabendbier zu genießen und dabei auf das tagsüber Geschaffene zu schauen ist ein tolles Gefühl – aller Fugenmasse an den Händen zum Trotz!

Mit neuer Dichtmasse ist die Fuge am Wohnkoffer wieder dicht
Zum Schluss wird die Fuge mit Karosseriedichtmasse neu gezogen

Obwohl die ersten Wasserlecks so endlich gestopft sind, steht bei Regen immernoch Wasser am Fußboden. An den provisorisch aufgeschraubten Fensterabdeckungen rinnt es in Unmengen herein. Plastik-Ausstellfenster aus dem Wohnwagenbereich (ab stattlichen 200 € zu haben) empfinden wir mega hässlich und Fenster der Expeditionsausstatter kosten bei drei Stück so viel wie unser gesamter Lkw. Damit benötigen wir Fenster (6x) im Wert zweier IFA L60 Lkws. Beides ist somit keine Alternative und wir finden nach wochenlanger Internetrecherche und diversen Anfragen bei Fensterbaufirmen endlich isolierte Dachfenster mit Doppelverglasung. Diese sind eigentlich für den Hausbau vorgesehen, taugen aufgrund des verbauten Sicherheitsglases aber genauso gut für unser fahrbares Heim. Ganz besonders die Holzoptik sieht spitze aus, genauso wie ihr Stückpreis von geradeeinmal 79 €.

Nun kann der Aufbau unsere Schmuckstückes beginnen.

Vorbereitung zum Fenstereinbau am LAK II
Endlich Aufbauarbeit – Als nächstes kommen die Fenster dran

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4 Gedanken zu „Alles muss raus – Entkernen im Wohnaufbau“

    1. Hallo Inga,
      um ehrlich zu sein, sind wir auf das Aussehen selbst gespannt :p Ein paar Dinge wie Kofferfarbe, Dachaufbau, Anbauteile und die Positionierung der Innenausbauten sind nämlich noch nicht genau planbar.

      Deshalb ist auch die Bauzeit nicht exakt abschätzbar. Aber sofern keine großen Überraschungen bei der Technikinstandsetzung auftauchen, rechnen wir im Moment mit einer Restbauzeit von neun bis zwölf Monaten bis der IFA reisefertig ist.

      Liebe Grüße
      Hagen

  1. Hallochen aus Italien ! 🙂
    Bin auch gerade an meinem LAK am wurschteln. Was hast du denn für Fenster gefunden ?
    Meine anfragen ergaben alle MINDESTENS Probleme mit voraussehbarem Wassereinbruch bei Einbau in die Schräge 🙁
    Wäre dir für Info dankbar.

    1. Hallo Richard,
      die Fenstersuche war eine richtige Qual, aber das scheinst du ja zu kennen :p
      Wir haben nun Dachfenster von FAKRO verbaut. Mit deren Maßen mussten wir die Fensteröffnungen auch nur minimal erweitern. Verschraubt sind die Fenster auf einen zusätzlich gebauten Holzinnenrahmen aus Hartholz und abgedichtet mit Karosserie Klebe- & Dichtmasse von PETEC. Außerdem kommen die mitgelieferten Alueindeckrahmen als zusätzlicher Witterungsschutz wieder drauf, sobald sie etwas umgearbeitet sind.

      Im nächsten Beitrag werde ich unter anderem darüber berichten, aber schicke Dir vorab schonmal eine Mail mit paar Bildern.

      Beste Grüße in den warmen Süden
      Hagen

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