Monumentalgeschichte im Glutofen

Arttus Wesenszustand bessert sich schlagartig von einem Tag auf den anderen und unser Kind wird zu einem nie da gewesenen Sonnenschein. Er spielt herzallerliebst allein, lacht viel, strahlt uns ununterbrochen an und schafft es sogar, in einer Nacht bloß einmal aufzuwachen. Nun sind es die steigenden Tagestemperaturen des beginnenden griechischen Sommers, die uns zum Weiterfahren veranlassen. Trotzdem wollen wir auf der Hitzeflucht nach Norden auf keinen Fall die Kulturgüter am Wegesrand versäumen.

Nach der Abreise vom Schiffswrack der Dimitrios rollen Balus Räder nur wenige Kilometer durch die Landschaft. Wir sind immer noch skeptisch, ob Arttus gute Laune nicht nur ein kurzer Glücksfall ist, der bei längerem Autofahren sofort wieder endet.
Eine ellenlange Schotterpiste durch üppige Orangenbaumplantagen scheinen die sonst allgegenwärtigen Wohnmobillenker verschmäht zu haben, was uns endlich wieder einen einsamen Traumplatz ermöglicht. Kleine krüppelige Bäumchen reichen, einem Mangrovenhain gleich, bis fast ans Meerwasser heran um den wenigen griechischen Badegästen Schatten zu spenden. Sogar eine spartanische kostenfreie Dusche mit klarem Süßwasser ist vorhanden. Von einem riesigen Baum vor der Sonne geschützt, verleben wir einen völlig ereignislosen, tollen Tag am Meer. Selbst das Auto erhält etwas Pflege, da ein Bauer gerade eine große Wasserkanone auf seinem Feld so aufgestellt hat, dass ich auf dem Weg daneben den Staub der letzten Wochen vom Fahrzeug waschen kann. Die Nacht bringt zwar zu wenig Abkühlung, aber wir sind alle drei wieder voll im Urlaubsmodus.

Die verlassene Metropole Mystras

Um das beizubehalten bleibt nur die Fahrt Richtung Norden, in der Hoffnung, dass es dort Stück für Stück kühler wird. Eventuell bringen auch die Berge Abhilfe. Zunächst knackt das Thermometer im gebirgsflankierten Tal von Sparta jedoch leider die 40-Grad-Marke. Der vergangene Ruhm der antiken Ansiedlung ist zwischen den Straßen der heute schachbrettartig angelegten Stadt nicht einmal mehr zu erahnen. Die wenigen erhaltenen Reste von Tempeln, Akropolis und Theater üben keine Anziehung auf uns aus. Stattdessen lechze ich danach, einen Eindruck des verlassenen Mystras, sechs Kilometer westlich, zu bekommen.
Ein grün bewachsener Berg ragt weit über die Ebene auf und gibt schon aus der Entfernung den Blick auf einige Ruinen frei. Dass wir ihn in dieser Gluthitze getrennt, ohne Baby besichtigen müssen steht leider außer Frage. Zum Glück finden wir durch Zufall noch eine im Schatten versteckte Trinkwasserquelle auf dem Weg zum oberen Parkplatz des historischen Mystras. An dieser kann Susi mit Arttu planschend die größte Wärme abwarten, während ich die erste Besichtigungsrunde übernehme.

Mein von Quellwasser tropfendes Hemd ist beim 15-minütigen Aufstieg zum oberen Zugang der alten Stadt bereits komplett durchgetrocknet. Nach dem Besitzerwechsel von zwölf Euro weist mich die ebenfalls schwitzende, aber sehr freundliche Kassendame darauf hin, dass es im gesamten Ausgrabungsgelände kein Trinkwasser außer dem kostenpflichtigen Getränkeautomaten gibt. Lediglich eine Brauchwasserleitung soll nahe dem Museum sein. Solche Gewinnmaximierungsbestrebungen bin ich sonst nur aus Deutschland gewohnt. Schade, ansonsten gab es fast immer einen Trinkwasserhahn auf den griechischen Ausgrabungsstätten mit Eintritt.
Der steile Aufstieg zur Gipfelfestung sollte eigentlich fünfzehn Minuten dauern. Bei mittäglichen 41°C benötige ich allerdings etwas länger. Als Lohn der Verrücktheit beherbergen die nahezu schattenlosen Ruinen der Burg dann auch nur mich. Nach der Trinkpause im Torhaus kann ich mich schließlich sogar am sagenhaften Ausblick über die flimmernde Ebene begeistern. Strategisch bietet sich hier die absolut beherrschende Position über das Tal zwischen Taygetos- und Parnon-Gebirge. Sparta ist als weißes Sterngebilde in Mitten grün/gelber Olivenhaine auszumachen. Zum Lesen der Informationstafeln nehme ich mir keine Zeit. Bei zweieinhalb Stunden jeweiliger Besuchszeit würde es für Susi zudem knapp werden, nach mir das gesamte Areal bis zur Schließung 20:00 Uhr anzuschauen.

Nach den Befestigungen auf der Bergspitze führt der Rundgang durch die restliche Stadt. Willkürlich spinnennetzartig führen unzählbare Wege, von historisch gepflasterten Straßen bis zu Trampelpfaden über den weitläufigen Berghang. Egal welche Biegung man wählt, an jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Zahllose Gewölbebögen, Türme, Kirchen, Natursteinmauern, Keller und halb zerstörte Häuser sind in einen tiefen Dornröschenschlaf verfallen, während abertausende Efeuranken gemeinsam mit anderen Gewächsen eine märchenhafte Kulisse schaffen. Teilweise treffe ich auf mittelalterlich gepflasterte Gassen zwischen den Gebäuderuinen, die ebenso gut eine Filmkulisse der Erfolgsserie „Game of Thrones“ bilden könnten. Trotz des weitläufigen Geländes fällt es schwer mir vorzustellen, dass diese dick ummauerte Stadt einmal über 40.000 Einwohner beherbergte und zu den bedeutendsten im Byzantinischen Reich gehörte. Zumindest die Zahl der immer noch erhaltenen Kirchen zeugt von Anzahl und Wohlstand der einstigen Bewohner. Besonders die vielen alten Wandmalereien haben mich beeindruckt. Die befestigte Peribleptos Klosteranlage zeigt einige davon im besonders schönen Rahmen, weil die alte Gesamtanlage des Anwesens noch mit umschließenden Mauern besteht. Das weiter oben gelegene Kloster Pantanassa wird bis heute von Nonnen bewohnt. Die Schwestern haben viel Zeit in die Pflege des Bewuchses gesteckt. In allen Farben blüht es in der Anlage. Ein kleiner Teil der alten Stadt erhält damit den Reiz des Bunten, Lebendigen aber Gelassenen. Stress scheint den freundlich lächelnden Frauen zum Glück fremd zu sein an diesem Ort.

Obwohl der Palast und eine größere Kirchenanlage wegen Rekonstruktionsarbeiten geschlossen sind, schaffe ich gerade so die wichtigsten Gebäude Mystras in 180 Minuten bis der Staffelstab an meine Frau geht. Klärchen brennt nun nicht mehr ganz so erbarmungslos vom Himmel und Susi genießt den Rundgang in vollen Zügen. Leider hat sie auch nur einen Teil der Anlage geschafft als Arttu und ich sie nach der Schließung am unteren Zugang abholen.
Am Rand eines Sportplatzes können wir den Tag abschließen. Arttu bekommt nach der all abendlichen Dusche seine Nachtwindel um und eine Cremeschicht auf den gesamten Körper. Ein Body für ihn ist bei den griechischen Temperaturen schon lang nicht mehr nötig. Auch Susi und ich nehmen uns die Zeit, in der Dämmerung, die kleine Campingdusche unter einem Olivenbaum zu nutzen. Danach fährt der Bulli noch etwas in die Nacht hinein, damit seine Insassen von der Klimaanlage bei Laune gehalten werden, bis es draußen abkühlt. Bereits eine Stunde später kann die Nachtruhe starten. 25 °C Außentemperatur sind für uns so „kalt“ wie lange nicht. Die anschließende Nacht ist sehr erholsam.

Vielerlei Einkaufstaumel

Kurz vor Tripolis reihen sich links und rechts der Landstraße auf einmal Antiquitäten aneinander, als würde man durch ein Museum mit zu wenig Stellfläche fahren. „Oh Mann! Das ist ein Trödler! Geil!“ Susi ist nicht zu bremsen. Ich bin ebenfalls sofort angesteckt, nur Arttu schaut schlaftrunken drein und grummelt etwas in sich hinein, weil sein Schläfchen unterbrochen ist. Etwas unfreundlich gibt uns der Besitzer der Tankstelle mit Imbiss und Antiquitätenhandel zu verstehen, dass sein Sohn Englisch spricht und in 20 Minuten da ist, wenn wir warten wollen. Wir wollen. Nach etwas mehr als 30 Minuten haben wir alle bunten Bauerntruhen, Holzschränke, Öllampen, Steinskulpturen, Säulen, Fenster, Türen, Granitbecken und Leiterwagen bestaunt, einen Kaffee im Imbiss getrunken und schauen einem stummen, emotionslosen, aber jüngeren Ebenbild des muffeligen Besitzers ins Gesicht. Ob er der versprochene englischsprechende Sohn ist, fragen wir zwar, aber erhalten bloß eine gemurmelte Antwort. Zumindest will er wissen was wir kaufen möchten. Die für Glühlampen umgebauten hängenden Öllampen haben es uns angetan. 50 bis 100 € sind wir bereit auszugeben. Dass es keine der aufpolierten Schönheiten überm Imbisstresen für 350 € wird, ist nicht schlimm, aber als unser rostiger Favorit vom Hacken eines Vordaches mit 250 € zu Buche schlägt, verzichten wir auch gleich auf Verhandlungen. In unseren Köpfen schwebt die Frage, weshalb derartige Kostbarkeiten nur von brusthohem Zaun vor Langfingern geschützt sind und im Freien unter einem Vordach hängen. Wir versuchen dennoch der Familie Münchhausen einen schönen Tag zu wünschen, bekommen aber nicht viel mehr als „You want special things to low price“ (Ihr wollt besondere Sachen für wenig Geld) mit auf den Weg.

An unserem Tagesziel, der Stadt Vytina geht es dann wieder menschlicher zu. Man grüßt sich, lacht, erzählt etwas und schwupps sind zwei Kilogramm griechischen Honigs gekauft. Nach einer gut erklärten Verkostungsrunde entscheiden wir uns für ein großes Glas Honig vom Thymian und eins vom „Christmas tree“ . Die Ladenbesitzerin meint damit aber wahrscheinlich nicht Tannen, sondern Fichten. Außerdem wechseln in den Geschäften Vytinas noch Cremes und Seife aus Eselmilch, Gewürze, Essig, Holzschnitzereien, Paprika, Feta und Tomaten mit tollem Tomatengeschmack den Besitzer. Mit Grauen denken wir bereits wieder an die roten Wasserbomben aus dem heimischen Supermarkt in Deutschland, egal ob aus Holland oder von anderswo und freuen uns auf den intensiven Geschmack des soeben erstandenen Gemüses.

Trutzige alte Hochkultur

Gut gelaunt vom Kauf toller Produkte zu fairem Preis schwingt sich Susi hinters Steuer, um Arttu und mich rund 90 Kilometer bis Mykene zu chauffieren. Diese Ausgrabung zu besuchen war ihr ganz besonderer Wunsch, da sie bereits im Studium das vermittelte Wissen über die gleichnamige Kulturepoche begierig aufgesogen hat, deren damaliges Zentrum nun vor uns liegt. Die mykenische Kultur gilt als erste Hochkultur des europäischen Festlandes. Schon damals bestanden Handelsbeziehungen von Griechenland, über den gesamten Mittelmeerraum, bis auf die britischen Inseln.
Ohne zu wissen, was mich erwartet, mache ich wieder den Anfang beim Rundgang. „Treasury of Atreus“ (Schatzhaus des Atreus) erinnert mich eher an glanzlose Fundamente ehemals reicher Schatzhäuser in Delphi. Ich hatte ja keine Ahnung! Gleich nach dem Eingang führt ein großer, natursteingemauerter Zugang in den vor mir aufsteigenden Hügel. Es ist ein großer Grabhügel, in dessen Inneren eine riesige steinerne Kuppel den Boden überspannt. Sie ist 13,8 Meter hoch und 14,5 Meter im Durchmesser. Die Akustik des Raumes setzt sich bis in den Magen fort. Jeder Schritt hallt mehrfach tief schwingend von den Wänden wieder. Dieses Schatzhaus raubt mir den Atem, auch ganz ohne Schätze.

Der gesamte Rest der bedeutsamen Ausgrabung wartet wenige hundert Meter weiter am Ende der Asphaltstraße. Im gleisenden Mittagslicht heben sich die monumentalen Mauern des UNESCO-Welterbes kaum von der gleichfarbigen restlichen Landschaft ab. Erst bei der Annäherung kann man die tonnenschweren, aber passgenau gemeißelten Felsklötze der Zyklopenmauern ausmachen. Spätere Bewohner des Peloponnes schrieben den Bau dieser Befestigungen den mythischen Zyklopen zu, da sie die Errichtung derart massiver Mauern durch Menschenhand für unmöglich hielten. Am angenehm klimatisierten Museum und weiteren kleineren Königskuppelgräbern vorbei, gelangt man ins Innere der Burg. Den Eingang bildet damals wie heute das weltbekannte Löwentor. Allein der steinerne Querbalken über dem Tor soll zwölf Tonnen wiegen. Einen beachtlichen Aufwand müssen die Erbauer vor über 3000 Jahren betrieben haben. Erwähnenswert am Motiv der beiden Löwen ist, dass der König der Tiere zur damaligen Zeit in dieser Gegend tatsächlich heimisch war. Vom heutigen Serbien, über Griechenland bis nach Bulgarien lebten die Großkatzen. Erst nach Beginn unserer Zeitrechnung hatte es der Mensch unrühmlich geschafft, den Löwen in Europa auszurotten.

Nach dem Festungstor öffnet sich rechter Hand die große Rundung des Grabzirkel A im Boden. An dieser Stelle entdeckte der deutsche Archäologiepionier Heinrich Schliemann 1876 Schachtgräber mit 19 Toten und reichen Grabbeigaben aus Keramik, Kupfer, Bernstein, Bronze, Silber und Gold. Ebenso wie bei der Entdeckung Trojas verließ sich Schliemann bei seiner Suche nach dem Grab des sagenhaften Agamemnon auf die Schilderungen in Homers Ilias. Repliken der bedeutenden Goldfunde Schliemanns in Mykene sind im Museum des Ausgrabungsgeländes zu sehen. Die Originale befinden sich im Athener Nationalmuseum. Allerdings konnte die sogenannte goldene „Totenmaske des Agamemnon“ dem mykenischen Herrscher zeitlich nicht zugeordnet werden, sondern gehörte wohl zu einem früheren Fürsten. Die Schachtgräber sind die Vorläufer der neun imposanten Grabkuppeln Mykenes, wobei das „Schatzhaus des Atreus“ die größte ist. Dennoch nutzen wir die Zeit nach Besichtigungsende 20:00 Uhr, um zwei der außerhalb der Ausgrabung liegenden und damit frei zugänglichen Königsgräber anzuschauen. Beide sind teilweise eingestürzt, aber die Mauern des Panagia-Grabes wurden in Stand gesetzt. Das Grab von Epano Phournos hingegen befindet sich in jämmerlichem, bröseligem, überwachsenem Zustand.
Ganz besonders gefällt Arttu der Ausflug in der Dämmerung, denn von dem sehr lieben streunenden Hund, der uns den gesamten Weg begleitet, kann er keine Sekunde die Augen lassen. Unser kleiner Mann versucht dem tierischen Gefährten sogar brabbelnd eine kleine Geschichte zu erzählen. Eigentlich bin ich von der häufigen Anwesenheit dieser armen Tiere in Griechenland nie begeistert, aber dieses hellbraune nette Exemplar ist kein bisschen aufdringlich, nicht aggressiv und mimt lediglich einen treuen, Schwanz wedelnden Begleiter, der nicht näher als 30 Zentimeter kommt.

Heißer Abschied am Festungsklotz

Mittlerweile sind wir uns sicher, dass unser, nun sechsmonatiger Mitstreiter wieder zu seinem offenen, freundlichen aber vor allem mehrheitlich ausgeglichenen Gemüt zurück gefunden hat. Der nervenzehrende Entwicklungsschub der 26. Lebenswoche ist definitiv überstanden. Zudem entwickelt Baby neue Fertigkeiten. Wenn er ausdauernd ist, schafft er es bereits kleine Strecken vorwärts zu krabbeln. Bis dato funktionierte nur rückwärts schieben. Auch einige neue Laute bekommen Susi und ich jetzt zu hören. Sie lassen sich aber nur schwer in Buchstaben wiedergeben. Zum einen ist da ein konzentriertes, fast schon philosophisches „dah dah dah“, das langgezogene wehklagende „ingäääää“ oder die freudig schreiende Möwe.
Auf jeden Fall sind wir trotz Hitze und allgegenwärtigem Schlafentzug bestens gelaunt. Gut genug, um dem langen Tag vom Trödler bis nach Mykene noch eins draufzusetzen. 40 Kilometer bis nach Korinth machen den Kuchen auch nicht mehr fett, sagen wir uns. Schließlich ist es mit 33 °C eh zu warm zum Schlafen. In einem Wohnmobilreisebericht sind wir auf den Hinweis gestoßen, dass man auf dem Parkplatz der Bergfestung Akrokorinth unbehelligt nächtigen kann. Tatsächlich gibt es unterhalb der alles überragenden Burganlage keinerlei Verbotsschilder gegen Camping und vom angrenzenden Restaurant stört sich auch niemand an uns. Vom Auto aus reicht der Blick weit über die Landschaft. Hauptsächlich Felder umgeben den dicken Klotz von einem Tafelberg, deren grüne Rechtecke aber zügig in den Saum von Lichtern der Besiedelung am Meer übergeht. Daran schließt sich dunkles Salzwasser an, bis dahinter einzelne Lampen und Umrisse vom griechischen Festland zu sehen sind. Zum Genießen und Photographieren der Kulisse haben wir ausführlich Zeit, da die Umluft in diesem 32°Grad warmen Backofen noch nicht abgeschaltet ist. Ein trockener Wind bläst kräftig aus Südosten. Auf weitere Abkühlung braucht man zwei Stunden nach Sonnenuntergang nicht hoffen und auch die Campingdusche bringt nur für zu wenige Minuten Abkühlung. Das erste Mal im gesamten Urlaub lassen wir mit mulmigem Gefühl die Hecktüren und das Dachfenster am Bulli offen, da die Lüftungsgitter der Schiebetüren nicht ausreichend Wind durchlassen. Abhilfe schafft das jedoch keine. Die über den Tag erhitzten Wasserreserven im Fahrzeug, halten die Temperatur zusätzlich hoch. Einzig das schwitzende Baby stört sich nicht am griechischen Glutofen und bleibt seinem gewohnten zweistündigen Nachtschlafrhythmus treu.

Irgendwann mit dem ersten Dämmerlicht stellen wir die Schlafversuche ein. Ausnahmsweise stört das weder Susi noch mich. Es frustriert jedoch etwas, dass die Pforten der Festung von Akrokorinth erst 08:00 Uhr geöffnet werden, auch wenn sie keinen Eintritt kostet.
Obwohl Sie nicht begeistert ist, kann ich Susi allerdings zur Begehung des Nachbarberges überreden. Dort wartet eine kleine Burgruine mit Ringmauer, auf der wir genüsslich frühstücken. Auch Susi freut sich nun über den kleinen Ausflug. Es ist ein schöner Morgen, an dem wir durch Wolkenschleier vor der Sonne geschützt sind. Deren Strahlen wiederum dringen, Stadionscheinwerfern im Dämmerlicht gleich, vereinzelt durch die Wolken auf den massiven Festungsberg an dem unser Auto steht. Wehmut über den baldigen Abschied von Griechenland mischt sich mit Vorfreude auf Temperaturen unterhalb von 30° C. Die alltägliche Hitze der vergangenen Woche in Verbindung mit fehlender Abkühlung in der Nacht sind wir schlicht nicht gewöhnt. Obwohl fast 3000 Kilometer Rückweg zu bewältigen sind, nutzen wir vor der Abfahrt doch noch die Gelegenheit, um einen Teil der unzähligen Festungsmauern mit ihren wehrhaften Trutztürmen in Augenschein zu nehmen. Der mächtige Berg Akrokorinths ist bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt, da er leicht zu verteidigen ist, Trinkwasserquellen besitzt sowie die Landenge des Isthmus von Korinth und die umliegende Gegend beherrscht. Entsprechend oft wechselten Korinth und ihr Burgberg den Besitzer. Griechen, Römer, Byzantiner, Kreuzfahrer, Venezianer und Osmanen hinterließen allesamt ihre Spuren im Festungsbau. Besichtigen werden wir jedoch nur den eigentlichen Zugang zum Berg – den mit drei Verteidigungslinien am stärksten befestigten Westteil. Mit mehr Zeit zur Verfügung hätte es auf dem Plateau allerdings genügend Sehenswertes für einen gesamten Besuchstag gegeben.

Zurück am Auto ist die drückend heiße Kugel am Himmel bereits wieder auf Konfrontationskurs mit uns. Zumindest bis zu einem kantigen tiefen Schlagloch in Korinth können wir uns zunächst der Klimaanlage hingeben. Mit zwei markerschütternden Schlägen am rechten Fahrbahnrand ändert sich das jedoch. Da das nicht der erste Straßenkrater auf unserer Reise ist, dem wir im Schlaglochslalom nicht ausweichen konnten, sind Susi und ich nach dem ersten Schock zunächst gelassen. Zur Sicherheit kontrolliere ich dennoch die Räder. Vorn rechts ist, außer schon bekannten oberflächlichen Schäden, nichts zu beanstanden. Das Hinterrad auf der gleichen Seite hat es aber übel erwischt. Der Aufprall an der Schlaglochkante hat mehrere dicke Beulen in der Reifenseitenwand verursacht. Da die Beulen auf den nächsten Kilometern durch Korinth weiter anwachsen, bleibt bloß der Wechsel zum Ersatzrad, um einen Reifenplatzer auf der Autobahn zu verhindern. Irgendwie nehmen wir es trotz der schlechten Nacht in den Knochen, der Bullenhitze und meinen nun pottdreckigen Klamotten entspannt hin. Ein bisschen sind wir selbst verwundert über diese Gelassenheit, aber scheinbar haben uns die Reise und der kleine Fratz im Kindersitz schon mehr verändert als wir ahnen. Damit geht unsere Flucht vor den Sommertemperaturen Richtung Norden in die zweite Runde. Ab jetzt gibt es allerdings keine Sightseeingstops mehr bis es kühler geworden ist. Mit etwas Glück wird das bereits auf dem Balkan sein. Wirklich vorstellen können wir es uns aber nicht, da die meisten Bergregionen Griechenlands auch keine gravierend niedrigeren Temperaturen als das Umland zu bieten haben.

Im Gegensatz zur Hinfahrt kann ich für die Rückreise allerdings bereits versprechen, dass sie um einiges lesenswerter wird als die Hinfahrt. Allein schon weil es sich diesmal weniger um eine Fahrt handelt, bei der die Kilometer purzeln, als viel mehr um eine Reise, bei der wir uns Zeit zum Erleben nehmen, sobald die Außentemperatur erträglich ist.

Tipps zum Besuch Mystras: ausreichend Trinkwasser einpacken (es gibt nur einen Getränkeautomaten am oberen Eingang), Zugang über oberen Parkplatz und Verlassen am unteren Ausgang spart Teil des Aufstieges , Toiletten nur am unteren Eingang, links neben Straße zum oberen Eingang (vorletzte Serpentine) befindet sich komplett schattige Trinkwasserquelle, Wasserhahn (kein Trinkwasser) zur Erfrischung ist im Hof der Metropolis, das kleine Museum (ziemlich kalte Klimaanlage) im zweiten Stock der Metropolis ist leicht zu übersehen, mangels Barrierefreiheit erübrigt sich ein Kinderwagen, Kloster Pantanassa ist noch bewohnt (Schultern bedecken, Frauen Röcke/Männer lange Hosen tragen)

Tipps zum Besuch Mykenes: klimatisiertes Museum und Treasury of Atreus bei großer Hitze zuerst besichtigen, WLAN im Museum auf Nachfrage, Ausgrabungsgelände und Museum sind bis auf zwei Stellen am Palast fast komplett barrierefrei und prima für Kinderwagen geeignet

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