Berge im Meer

Es ist Zeit Norwegen von seiner norwegischsten Seite kennen zu lernen! Berge, Fjorde, Fisch und deutsche Pensionäre sind die gängigsten Klischees und gleichzeitig die Realität im Westen Skandinaviens. Nach meiner Begegnung mit wilden Moschusochsen im Dovrefjell Nationalpark kann ich das norwegische Innland nun mit abgehakten Zielen hinter mir lassen und freue mich gemeinsam mit Susi auf den Szeneriewechsel.

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Nachdem wir uns in Oppdal auf einem hügeligen Grabfeld aus der Wikingerzeit etwas die Beine vertreten haben, fasst Susi ärgerlicher Weise mit der rechten Hand in die Beifahrertür, während ich sie zuschmeiße. Unter Fluchen steckt sie das, als toughes Mansfelder Mädel, aber echt gut weg. Noch mehr staune ich, als Madame voller mentaler Stärke die anstehenden 150 Kilometer auf dem Fahrersitz abreißt und mit ihrer Micky-Maus-Hand munter drauflosschaltet.

Die Fahrtstrecke der Etappe

Fjordnorwegen

In einer Hommage an meine damalige Geografielehrerin öffnet sich das Grøvutal vor unserer Motorhaube in Richtung Meer. Eins zu eins aus dem Geobuch zur Realität geworden, steigen die Hänge dieser gletschergeschaffenen Landschaft erst bedächtig an, um stets an Neigung zu gewinnen und weit oben fast senkrecht zu stehen. Der Name U-Tal ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Auf dem Boden der einstigen Gletscherzunge führt die Straße bis zum Wasser des Atlantik im Tingvollfjord. Obwohl wir solche Anblicke bereits aus Norwegen kennen, sind wir wieder tief beeindruckt. Das Landschaftspanorama ist mindestens genauso erhaben, wie der abrupte Anblick der Alpen. Wer die Autobahnfahrt durch Oberbayern Richtung Süden und ein Fjordpanorama bereits erleben durfte, wird mir sicher zustimmen.

Mein zweiter Gedanke ist „Fisch!“ Weil mir in Deutschland der verzweifelte Versuch ein Tiefkühlfilet mit wirklichem Nachhaltigkeitsnachweis zu finden, zu nervenaufreibend ist, verzichte ich dort zum großen Teil auf die Schuppenträger. Umso mehr freue ich mich hier auf selbst gefangene Fischmahlzeiten.
Der erste vorausgesuchte Spot ist auch gleich ein Volltreffer. An der Bergsøysund-Schwimmbrücke durchströmt das Gezeitenwasser der dahinter liegenden Fjorde eine Engstelle von weniger als einem Kilometer Breite. Dass das eine gute Angelstelle ist, habe offensichtlich nicht nur ich erkannt. Auf dem benachbarten Rastplatz tummeln sich sowohl einige Wohnmobile als auch Pkws unterschiedlicher Herkunftsländer und auf der Brücke reihen sich die Angler aneinander wie eine Marionettenspielerversammlung im Strippenwettstreit. Wie so einer kapitale Fische anlanden will, jagt mir allerdings rote Äderchen in die Augäpfel. Meine geschätzten Anglerkollegen bringen die abenteuerlichsten Apparaturen zum Durchbohren und anschließenden Heben des lebenden Fisches zum Einsatz.

„Ich fische vom Ufer unter der Brücke, damit ich zu kleine Fische schonend zurücksetzen kann.“, antworte ich auf die Frage eines sehr netten Angelopas. „Naja, die Fische, die den Sturz von der Brücke nicht überleben, holen sich doch die Möven“, erwidert der Deutsche als schlechte Entschuldigung. Mein schweigender Anstand in diesem Moment beschämt mich immer noch. Mit der Klarheit Serdar Somuncus hätte ich ihm sagen sollen wie sehr er mich ankotzt! Stattdessen erfahren wir, dass das Verbotsschild für Camping auf diesem und anderen staatlichen Rastplätzen nicht durchgesetzt wird. Eines der Wohnmobile mit Rentnerehepaar würde wohl bereits seit zwei Monaten hier Rast machen. Das ist ziemlich frech, aber für uns der Anlass auch eine Nacht zu bleiben. Eine super Entscheidung! Beim Angeln in den frühen Abendstunden habe ich in einer halben Stunde stetigen Auswerfens nur zwei Würfe ohne Fisch. Teilweise kann ich mit einem Mal zwei oder drei Fische gleichzeitig einkurbeln. An den roten 40-Gramm-Pilker mit zwei goldenen Beifängern beißen Makrelen, Pollacks und Köhler. Letztere haben in heimischen Kühlregalen den erfundenen, aber scheinbar verkaufsfördernden Name Seelachs. In meiner Angelsternstunde sterben, mit Ausnahme eines kleineren Köhlers, der zu verheerend auf den Hakendrilling gebissen hatte, diesmal nur Makrelen. Da ich vorerst nicht für die Kühltruhe angle, kommen alle Fische aus der Dorschfamilie für den Mittagsteller nicht in Frage. Susi ist auf sie allergisch.

Vor meiner brutzelnden Pfanne mit Makrelen frage ich mich einmal mehr, warum die torpedoförmigen Thunfischverwandten unter Norwegenanglern vorrangig als Köderfisch beliebt sind. Kaum eine Art schmeckt so intensiv nach Fisch wie diese. Toll! Aber wahrscheinlich liegt es genau daran, gleich gefolgt von dem Fakt, dass man mit ihrer Größe einfach keinen anglerischen Schwanzvergleich gewinnen kann. Who cares?!

Selbst Arttu kann nicht genug vom Mittagsgericht haben. Welche Maßstäbe er an sein Essen legt, bleibt mir aber weiterhin rätselhaft. Masse statt Klasse? Wahrscheinlich ist das Kriterium schlicht, dass es essbar ist. Sogar eine angeschnittene Knoblauchzehe wollte er ganz und gar verspeisen. Ganz der Papa :p Keine Sorge – wir haben sie ihm nicht gelassen.

Von Kristiansund als Stadt sind wir etwas enttäuscht. Nicht ganz unschuldig daran ist das miese Wetter. Vor allem finde ich es schade, dass die Museen offensichtlich Einheimische oder Touristen außerhalb der Saison geschaffen wurden. Jetzt im September ist selbst das viel gerühmte Klippfischmuseum dauerhaft geschlossen. Unser Aufenthalt in der beschaulichen Fischfangstadt ist also nur kurz. Die begehbare, historische und bis heute in Betrieb befindliche Mellem Werft kann ich allerdings sehr zur Besichtigung empfehlen.

Anstatt in Museen bringen wir den folgenden Tag nun in der nahen Natur zu. Sowohl Regen, als auch Windböen von bis zu 90 km/h sind verschwunden. Der See Bolgvatnet liegt glatt wie eine Eisfläche um uns herum. Die Idylle im Baumzelt auf unserer eigenen winzigen Insel wird nur etwas vom entfernten Dröhnen der Landstraße gestört.

Spiegelglatt umgibt uns der See Bolgvatnet bei der Überfahrt

Mit Ausnahme von anfänglichem vehementem Protest gegen die Schwimmweste im Rucksackboot ist es auch für Arttu ein toller Tag unter freiem Himmel. Zwischenzeitlich dachten wir, dass die Babyhaut auf einen neuen Tiefpunkt zusteuert. Bettlakenwechsel im Auto, Ölbäder und Silbergaze auf die Haut haben den Ausschlag ein Stück weit, aber nicht ausreichend bekämpft. Fettig feuchte Verbände, die in Griechenland die Rettung waren, helfen auch nicht weiter. Schließlich entdeckt Susi, dass die vorher fast wirkungslose Penaten-Creme zum Wunderheilmittel geworden ist. Damit entwickelt sich Babys Gesicht wieder in Richtung Makellosigkeit. Das können wir von seinem Einschlafverhalten nicht behaupten. Alles Singen, Beruhigen, oder Erzählen, was bisher die kleinen Augenlieder zugezogen hatte wird wirkungslos. Einzig das Lied „Going Through the Motions“ von Susis Buffy Musical CD wirkt Wunder. Lied an – Schreien aus. Einschlafen geht damit förmlich von selbst. Ein tolles Lied! Aber drei Wochen später kann ich es nicht mehr hören. Leider haben wir keine Wahl, wenn Arttu im Auto schlafen soll. Jedes andere Lied akzeptiert er nicht als Einschlafhilfe.

Noch ist der Nervfaktor des Songs aber bei Null. Tiefenentspannt vom Naturtag ertragen wir das Waschküchenwetter in der Hochschulstadt Molde mit Fassung. Mit den Museen ist es die gleiche Problematik wie in Kristiansund. Zumindest kann ich hier im geschlossenen Freilichtmuseum noch etwas mit Arttu am reich bevölkerten Ententeich spazieren, während Susi im Auto Essen kocht. Die teils schneebedeckten Berge des Molde Panoramas verstecken sich zunächst noch im Dunst. Aber für einen Moment zeigen sich die 222 Gipfel, während wir zwischen deutschen Weltkriegsbunkern im Julneset Naherholungsgebiet herumklettern.

Asphalt gewordene Natursehnsucht

Ich verstehe jeden gut, der die Schönheit der Natur hautnah erleben möchte. Aus dem gleichen Ansporn wollen auch wir zum „norwegischen Bauwerk des Jahrhunderts“. Die Atlantikstraße zwischen Molde und Kristiansund führt mit Aufschüttungen und sieben Brücken über mehrere Inseln direkt über den Ozean. So beeindruckend und schön es auch ist, muss ich gestehen, dass uns zur Schönheit der Natur noch die Abgeschiedenheit zur Perfektion fehlt. Das wundert mich aber nicht, da wir frühere Touren einsam mit Kajak bestritten haben, statt mit dem Auto. Aber es kommt die Zeit, da wird Arttu groß genug dafür sein.

Trotz der Abstriche wollen wir den Ort genießen und bleiben über Nacht. Ausreichend Rast- und Parkplätze gibt es dazu auf den kleinen Inseln neben der Straße. Zudem muss ich dieses legendäre Angelrevier testen. Der Angelplatz, den ich auf der Insel Geitøya probieren möchte, ist sogar barrierefrei. Bis auf Kleinstfisch regt sich an der Angelrute bis in die Abendstunden nichts. „Nicht schlimm“, denke ich, mache einen meiner letzten Würfe und erhalte einen heftigen Biss; so heftig, dass ich Sorge um mein Vorfach habe, obwohl es für diese Angelei schon aus ungewöhnlich dicker monofiler Schnur ist. Doch genauso wie meine leichte Angelrute mit 60-Gramm-Wurfgewicht schlägt sich auch das Vorfach wacker. Mit etwas Geduld erreicht ein prächtiger Köhler das Ufer. Wiedermal habe ich es eigentlich auf Makrelen abgesehen und will dem schönen Fisch nach einem Foto die Freiheit schenken. Als Einfaltspinsel des Tages halte ich den Dicken nur am metallenen Köderfisch fest. Mit Ausschlägen der kräftigen Fischflosse bohren sich die Angelhaken der Beifänger weit genug in meine Finger, um den Widerstand für den Riss der Vorfachschnur aufzubringen. Platsch! Ob der Unglückliche immer noch mit einem vom Hakendrilling zugetackerten Maul durch den Ozean schwimmt, frage ich mich beim Schreiben gerade betrübt. „Verletzte Finger sind nichts im Vergleich zum nahen Hungertod des Fisches – Ist eine Spende an Greenpeace irgendeine Wiedergutmachung oder in meinem Fall bloß moderner Ablasshandel?“, grübele ich vor mich hin. Auf jeden Fall beende ich das Fischen umgehend. Bin ich in diesem Fall zu verweichlicht beim Nahrungserwerb? Oder ist es Tierquälerei, weil Angeln zwangsläufig Fische verletzt? Ich finde keine befriedigenden Antworten darauf.

Mit Tagesanbruch über der Provinz Møre og Romsdal scheint in vielerlei Hinsicht wieder die Sonne. Etwas genießen wir noch die Atlantikstraße, um in der zweiten Tageshälfte erneut zur Bergsøysundbrücke zu fahren. Diesmal möchte ich den Spot ausgiebig nutzen, um Fisch in die Gefriertruhe im Auto zu bekommen. Wir erwarten zum Ende der Norwegentour Besuch von einer Freundin von Susi und meiner Familie. Ich möchte sie mit frischem Fisch willkommen heißen.
Doch wie so oft beim Angeln haben die Schuppies keinen Bock auf Kopfverlust wenn das Wetter die Herzen der Menschen beglückt. Ausnahmsweise hätte ich mir für heut Regen gewünscht. In dunkelster Nacht beende ich meine Anstrengungen. Vom stundenlangen Werfen und Einkurbeln ist jeder für die Arme zuständige Muskel am Ende. Die sechs mittelmäßigen Fische zu meinen Füßen habe ich mir dafür redlich erarbeitet. Eine vernünftige Mahlzeit für die ganze Sippe geben sie auf jeden Fall ab.

Am nächsten Tag haben die Fische weiter keine Lust zu beißen, weshalb wir bei Zeiten in den Süden aufbrechen. Ein sehr melancholisches Gefühl macht sich breit, schließlich beginnt ab jetzt der Rückweg der fünfmonatigen Elternzeitreise. Zum Glück bleiben uns noch weitere drei Wochen in Norwegen. Trotzdem lässt mich das greifbare Ende alle Dinge bewusster erleben.

In den letzten beiden Skandinavienwochen werden wir mit Freunden und Familie ein Ferienhaus haben. Bis dahin brauchen Arttus Sachen aber noch eine Waschmaschine. Die Nächstgelegene wäre auf dem Eira Campingplatz. Besitzerin ist die original Katzenfrau der Simpsons! Ich vermute sie hat ein großes Herz, weil sie kranke und verletzte Tiere aufnimmt. Ihre angeschlagenen Schützlinge erzeugen bei mir mit fehlendem Auge und anderen Beeinträchtigungen allerdings etwas Grusel. Leider hat die Katzenfrau schlechte Nachrichten für uns. Die Waschmaschine ist kaputt. Was uns zunächst nervt, ist pures Glück. Der nächste Campingplatz ist nicht nur der Günstigste auf unserer ganzen Norwegentour, sondern auch der komfortabelste und freundlichste. 200 NOK (rund 22 €) kostet der Aufenthalt pro Nacht, plus 30 NOK für die Waschmaschine. Küche, WLAN und Sanitäranlegen sind hochmodern und im Preis inbegriffen, was leider keine Selbstverständlichkeit in Norwegen ist. Ab Tag drei wäre Waschen inklusive. Ein kleiner Hafen gehört ebenso zum Platz, wie ein geräumiger Angelsteg. Einer der beiden Betreiber ist Deutscher. Um unserem Wohlbefinden die Krone aufzusetzen bekomme ich von ihm noch umfassende Tipps zum Fischen im Fjord. Als „Dank“ trifft ihn in der Nacht fast zweimal mein Angelhaken. Präzise den Köder einkurbeln und nebenbei unterhalten? So viel zu meiner Multitaskingfähigkeit. Während ich mich wie ein Angelnoob aufführe, lässt ihn das völlig kalt. Ein Profi eben 😉 Auch mit seinem Hinweis, dass noch große Makrelen da sind, behält er recht. Ich fange vier. Die Größte misst 42 cm. Seinen Vorschlag zum Grundangeln in der Nacht auf Plattfisch setze ich ebenfalls um. Das Glöckchen zur Bissanzeige bimmelt zwar regelmäßig, aber keiner der Klodeckel will so richtig anbeißen (Für alle Schlaumeier: bei Windstille klingeln Glocken nicht von alleine). Aus Dankbarkeit für eine kurze aber sehr schöne Zeit möchte ich Mittet Camping wirklich von ganzem Herzen empfehlen: Mittet Camping bei Facebook

Zwischen Traumcampingplatz und Trollstigen landen wir am Romsdalsfjord. Wetter und Panorama sind mal wieder super. Ich glaube die Klischees, wie Norwegen auszusehen hat, wurden unter anderem hier erfunden. Am Ufer sitzt eine Familie wie wir beim Picknick. Als sie gehen bleiben einige Garnelen am Boden liegen. Aus Interesse friemel ich die kleinen Stinker auf einen Angelhaken. Gleich beim ersten Wurf inhaliert das Ganze ein Dorsch. Obwohl er schön fett ist, entsprechen seine 37 cm Länge nicht dem Mindestmaß. Er ist also noch immer im Atlantik zu haben. Meine erfolgreiche Zufallsentdeckung ist natürlich kein Geheimniss. Die Norweger nennen die Garnele „reker“ und nutzen sie gern als erfolgreiche Angelköder.

Vom Garnelenangelplatz zur Straße der Trollstigen sind es nur noch wenige Kilometer. Die Trollleiter ist eine Sehenswürdigkeit von europaweiter Bekanntheit. Die Wohnmobil- und Touristendichte nimmt auch schlagartig zu. Ich habe mal wieder verkannt, dass es hier neben dem schicken Panorama vor allem um die einzigartige bauliche Meisterleistung der Straße geht. Es gibt in Norwegen unzählbar viele schöne Orte dieser Art, vor allem aber weitaus ruhigere, weil dort keine Straße ist. Trotzdem hat die Trollleiter ihren Ruhm zu recht. An keiner anderen Stelle lässt sich ein schwindelerregender Felshang so einfach mit dem Auto überwinden. Unterwegs rauscht der Stigfossen Wasserfall malerisch an uns vorbei und oben angekommen ragt eine eiserne Aussichtskanzel für alles überragende Urlaubsfotos ins Tal hinein. Dennoch bin ich mir mit Susi einig, dass wir die Natur in Zukunft lieber weiter mit Rucksack statt Auto erkunden wollen. Arttu wann lernst du endlich laufen?

Es wundert mich deswegen auch kein Stück, dass unser Plan von einem schicken Familienfoto auf der Aussichtskanzel sofort vergessen ist, als wir ein anderes Elternpaar treffen. Sie sind mit ihrer Kleinen ebenfalls auf großer Reise im Transporter, aber über Osteuropa nach Norwegen gefahren und haben, genauso wie wir, eine Menge von ihrer Reise zu erzählen. Während sie uns auf einen Kaffee einladen rast die Zeit bis in die frühen Abendstunden. Reisen, Camper, Angeln, Elternzeit, Fahrradanhänger, Wildwasser, Babyklamotten, Klettern – wir sind auf der gleichen Wellenlänge. Wie bei vielen kurzen aber tollen Bekanntschaften steht auch hier schnell der Plan im Raum „Wir müssen uns mal wiedersehen!“ Schön wär es wenn das wirklich klappt.
On top auf diesen schönen Tag bekommen wir nahe Dombås noch eine ausgewachsene Elchdame zu sehen. Susi reißt das Steuer zum Straßenrand, Arttu wacht auf, ich will noch schnell ein Foto schießen, aber die Elchkuh ist bereits wieder von der Lichtung verschwunden. Macht nichts! Wir haben unseren ersten wilden Elch gesehen und beruhigen nun, voller Euphorie im Blut, das arme Baby bis es erneut seelenruhig schläft.

Wie alles neigt sich auch unsere große Freiheit dem Ende zu. Aber vorher habe ich mir als letzten Halt vor dem Ferienhaus am Hardangerfjord das Norsk Villakssenter in Lærdalsøyri gewünscht – die Informationsstätte für Wildlachs in Norwegen schlechthin. Außer praktischen Ratschlägen zum Lachsangeln wird sie diesem Ruf auch umfassend gerecht. Damit der Besucher große wilde Lachse zu Gesicht bekommt führt eine Fischtreppe an einer Glasfront im Keller des Museums vorbei. Darin schwimmen einige Prachtkerle. Als spannend zu wissen empfand ich, dass es englische Lords waren, die das Fliegenfischen in der Gegend populär machten. Im Stil manch eines Hotels spiegelt sich bis heute der Anspruch der damaligen blaublütigen Gäste wieder. Unangenehme Assoziationen zur kolonialen Großwildjagd rufen bei mir jedoch die Fotos der ausländischen Sportangler mit kapitalen Fängen hervor. Es sind Fische weit jenseits der 20 Kilo Marke. Obwohl ich als begeisterter Angler selbst gern einen solch großen Lachs in die Kamera halten würde, kommt es mir gerade widerlich vor. Der Rest vom Museum gefällt mir super. Alle Entwicklungsstufen des Lachses sind am lebenden Objekt dargestellt, seine Probleme sind geschildert, seine Fanggeschichte, Kultivierung, Bedeutung für die Region und das Aufkommen des Lachsparasiten in Norwegen.

Wir verlassen das Museum gut gelaunt. Jetzt freuen wir uns zur Abwechslung, bald vom Urlaub aus einer festen Unterkunft berichten zu können. Außerdem haben wir im Ferienhaus die ersehnte Unterstützung bei der Kindesbetreuung.

Bis bald am Hardangerfjord,

Susi, Arttu & Hagen

Tipps zum Makrelenangeln in Norwegen:
Makrelenangeln ist aktives Angeln, die Wasseroberfläche nach wohnzimmer- bis fußballfeldgroßen Unruhefeldern absuchen (teilweise sind Fischrücken zu erkennen), Engstellen im Gezeitenstrom zum Angeln nutzen, Ufer- und Bootsangeln ist möglich, je näher am offenen Meer die Angelstelle liegt umso besser (z.B. 150 km im Landesinneren sind schlecht-vgl. Hardangerfjord/Sognefjord), auflaufendes Wasser ist fängiger, die Dunkelheit ist keine Makrelenzeit, Morgen-/Abendstunden waren bei mir am fängisten, Köder: leichte Pilker, kleine Fischstücke, Blinker, Twister und andere, wenn Makrelen mit dem Köder angeworfen werden und nicht durch andere Räuber bedrängt werden dann zimmern sie auch drauf, bei erstem Biss die Köder noch kurz „stehen lassen“ meist beißen weitere Makrelen auf die Beifänger, nicht zu viele Anbissstellen an der Angelmontage, denn die Torpedos sind kampfstark (ich bevorzuge maximal 3)

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2 Gedanken zu „Berge im Meer“

    1. Hallo Paula,
      da habt Ihr euch eine schöne Zeit für den Norwegenurlaub rausgesucht. Ich vermute mal Ihr habt da eines eurer robusten Angelkajaks dabei, um fürs Abendessen zu sorgen oder?
      Jetzt beneide ich euch, denn für Skandinavien bleibt mir wegen der Arbeit am Lkw dieses Jahr warscheinlich keine Zeit.

      Ich wünsche auf jeden Fall beste Bedingungen und einen unvergesslichen Trip mit schönen Erinnerungsbildern.

      Liebe Grüße aus Sachsen
      Hagen

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