Winterjacke Deproc Waddington Lady

Warme Alltagsjacke, die nicht für Extremwetterlagen gedacht ist


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Inhaltsverzeichnis

1. Erster Eindruck

2. Aufbau

3. Im Praxistest

4. Fazit

Erster Eindruck

Für mich persönlich gab es ein unschlagbares Kriterium, das für die Waddington Lady Jacke sprach: die Füllung. Diese besteht nicht aus natürlichen Daunen, sondern hat eine auf Grundlage von Polyster geschaffene Hohlfaserfüllung. Nicht nur weil ich ein Gegner von tierischen Produkten in Kleidungstücken bin, sondern auch, weil die Wärmefähigkeit des Stoffes bei Nässe nicht so schnell wie bei Daunen verloren geht, mache ich im Outdoorbereich lieber von synthetischen Materialien Gebrauch.
Obwohl ich Pelz an Jacken nie besonders mochte, auch wenn es sich ebenfalls um ein Imitat handelt, nahm ich ihn hier in Kauf, denn es ist möglich diesen abzutrennen. Was mir beim Anprobieren nicht besonders gefiel, war der Schnitt. Die Jacke hat an der Taille doch schon etwas aufgetragen. Hier wäre ein taillierter Schnitt schöner gewesen.
Normalerweise trage ich die Größe 38. Diese hat hier auch super gepasst, war dabei allerdings nicht zu eng, sodass ich auch noch Sachen darunter ziehen konnte. Besonders gut gefällt mir, dass die Jacke auch noch ein Stück über den Po reicht.
Entschieden habe ich mich für die grau gemusterte Variante, da ich eine Jacke wollte, die nicht nur zu meiner hellblauen Skihose, sondern auch zu all meinen anderen Sachen passte, die ich im Winter trage. Ansonsten hätte ich noch die Wahl zwischen navy und berry gehabt.

Aufbau

Die Waddington Lady Jacke von Deproc für 99,95€ (Stand: 01.05.2015)besitzt drei Außen- und zwei Innentaschen. Die Außentaschen lassen sich mit Reißverschlüssen schließen, welche mit zusätzlichen Zuziehhilfen versehen sind. Die Innentaschen, bei denen es sich bei einer um eine Handytasche handelt, besitzen keine Verschlüsse. Dafür sind die Taschen recht tief.
Die abnehmbare Kapuze lässt sich jeweils am Hinterkopf und vorn per Kordelzug verstellen. Der Kunstpelz ist daran mit einem Reißverschluss verbunden, sodass dieser bei Bedarf abgetrennt werden kann.

Der Kapuzenkunstpelz ist durch Reisverschluss abnehmbar
Der Kapuzenkunstpelz ist durch Reisverschluss abnehmbar

Zum besseren Windschutz kann die Kapuze zudem mit Druckknöpfen verschlossen oder verstellt werden.
Die Ärmel sind mit Innenstulpen versehen, sodass auch hier kein Wind hinein pfeifen kann, außerdem sind von außen Klettverschlüsse angebracht, um die Öffnungen bei Bedarf zu verstellen.
Der Reißverschluss der Jacke wird von einem Windstopper geschützt. Dieser ist per Klettverschluss zu schließen. Positiv aufgefallen ist mir die Anbringung von Druckknöpfen am oberen und unteren Ende der Leiste, da ich bei ähnlichen Jacken ohne solche immer das Problem hatte, dass der Klett an diesen Stellen mit der Zeit nicht mehr hält und absteht.

Im Praxistest

Die Waddington Lady Jacke wird beschrieben als „leichter, wasserabweisender besonders warmer Fiber-Daunen Parka“. Diese Eigenschaften kann ich durchaus unterstreichen. Testen konnte ich die Daunenjacke während eines 8-tägigen Aufenthalts in der norwegischen Hardangervidda im März. Dort herrschten tagsüber Temperaturen zwischen 0 und -12 °C. Während dieser Zeit habe ich die Jacke sowohl während körperlicher Anstrengung wie Schneemauer bauen und Skitourengehen getestet, als auch in den zwischenzeitlichen Ruhephasen. Bei Bewegung habe ich darin allerdings schnell geschwitzt, weshalb ich mich bei Sonnenschein mit einer Fleece- oder Sofshelljacke begnügte. Falls ich darin geschwitzt habe, war die Jacke dann aber nie feucht von innen.
Ein Schneesturm, bei dem wir eigentlich gar nicht auf die Tourenskier hätten steigen sollen, forderte mich und meine Winterjacke in hohem Maße heraus. An manchen Stellen lösten sich Fäden, an denen sich umgehend Eis festsetze, das sich zu immer größeren Kugeln entwickelte. Diese zerrten noch mehr an den Fäden, doch die Jacke hielt stand. Eis setzte sich zudem an allen Reißverschlüssen fest, sodass es später schwierig war sie auszuziehen. Hinein drang es aber nicht. Auch sonst hatte ich nicht den Eindruck, dass Wind noch Regen eindringen konnten, was die wasserabweisende Eigenschaft der Jacke bestätigt.

Über Nacht musste ich die Jacke aufgrund des Platzmangels im Vorzelt lassen. Ich habe sie so eingerollt, dass keine Feuchtigkeit nach innen dringen konnte und morgens beim Aufstehen sofort angezogen. Sie spendete mir recht schnell wieder wohlige Wärme. Als meine aufblasbare Isomatte im Laufe der Tour defekt war und dabei stets und ständig Luft sowie damit ihre isolierende Wirkung verlor, legte ich mir die Daunenjacke unter den Po, um mich vor der Kälte zu schützen. Das war immerhin eine kleine Hilfe, um einer drohenden Blasenentzündung zu entgehen. Da ich für solcherlei Krankheiten scheinbar prädestiniert bin, war es zudem sehr von Vorteil, dass die Jacke so lang ist.

Der Pelz an der Kapuze, von dem ich anfänglich wenig begeistert war, hielt den Schnee während des Sturms weitestgehend von meinem Gesicht fern. Danach war das Fell zwar komplett gefroren, da ich es aber abtrennen konnte, stellte das kein Problem dar. Nachdem ich es getrocknet hatte, war ich positiv von der kuschligen und wärmespendenden Wirkung überrascht, die der Pelz auf mein Gesicht hatte. Etwas bedauernswert fand ich, dass Abfallen einzelner Haare, die ich dann im Essen oder der unmittelbaren Umgebung wiederfand.

Der eine Klettverschluss am Ärmel hat den Kampf gegen den starken Sturm am Anfang der Tour verloren. Er löst sich allmählich von der Jacke, konnte aber den Urlaub noch Stand halten.

Eine Naht am rechten Ärmel beginnt sich zu lösen
Eine Naht am rechten Ärmel beginnt sich zu lösen

Auch die Naht am inneren Handgelenk musste dran glauben. Hier schaut das Futter bereits heraus. Das sollte sich aber mit einigen wenigen Handgriffen nähen lassen.

Schaden am linken Ärmel
Schaden am linken Ärmel

Ebenfalls als weniger widerstandsfähig erwiesen sich die Zuziehhilfen an den Reißverschlüssen, die schnell abfielen.

Die Zuziehhilfen (oranges Dreieck) der Reisverschlüsse sind verlustanfällig
Die Zuziehhilfen (oranges Dreieck) der Reisverschlüsse sind verlustanfällig

Nach 8 Tagen, in denen mir nur Schnee und feuchte Einwegtüchern zum Waschen zur Verfügung standen, hat auch die Jacke nicht mehr so frisch gerochen. Da es aber die einzige war, die ich mit dabei hatte, nahm ich kurzerhand die feuchten Tücher und rieb die Achselpartien von innen und außen damit ab. Zugegeben, das war vielleicht nicht der hygienischste Trick, aber es hat geholfen und ein Schaden ist dadurch auch nicht entstanden.

Fazit

Insgesamt würde ich die Jacke weiterempfehlen. Sie hält warm, transportiert Nässe nach draußen, trocknet schnell und lässt Schnee und Eis nicht hinein. Ich habe sie vor der Tour nicht imprägniert, trotzdem kam kein Wasser hindurch. Extrembedingungen wie den Schneesturm, in den wir gerieten, hält sie mit ein paar reparierbaren Schäden aus, ist aber wohl nicht dafür vorgesehen. Ich würde sie daher nicht für solche Touren empfehlen, sondern eher für den Alltag und leichte sportliche Betätigungen, bei denen man nicht so schnell schwitzt.

Zum Abschluss vielen Dank an Deproc für die Bereitstellung der Winterjacke zum Test.
Unabhängig davon entspricht das Geschriebene meiner ehrlichen Meinung und ich erhalte für meine Texte keine Bezahlung.

Abends ist eine warme Jacke im norwegischen Hochland zwingend nötig
Abends ist eine warme Jacke im norwegischen Hochland zwingend nötig

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