Baumzelt Tentsile Stingray

Mein Wohnzimmer in den Bäumen


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Inhaltsverzeichnis

1. Erster Eindruck

2. Die Fakten

3. Verarbeitung

4. Im Praxistest

5. Fazit

Erster Eindruck

Vor einem Jahr beim Kajakfahren in Südnorwegen hatten wir regelmäßig das Problem geeignete Biwakplätze zu finden. Die bewaldeten steilen Hänge der Fjorde waren oft zu unwegsam zum Aufstellen eines Zeltes.
Umso begeisterter bin ich nun von der Idee eines Baumzeltes, welches nur drei Aufhängepunkte braucht und dann frei von Ungeziefer und mit bester Aussicht über dem Boden schwebt. Ich musste es also haben! Die Idee ist somit schon mal dufte. Schauen wir uns nun an, wie gut deren Umsetzung geklappt hat:

Zunächst fällt mir beim Paket öffnen auf, dass der Zeltsack größer und schwerer ist, als ich das von Dreimannzelten gewohnt bin. Die Spanngurte und dazu gehörigen Ratschen brauchen schließlich ihren Platz. Apropos Platz, davon gibt es genügend in der Transporttasche, um den gesamten Inhalt auch etwas schlampig zu packen, wenn Eile geboten ist. Ansonsten hat man das Gefühl, Qualitätsware in den Händen zu halten. Der für Kleinzeltbau vergleichsweise schwere Stoff schafft bei mir das nötige Vertrauen, um das grüne Dreieck demnächst in luftiger Höhe zwischen Bäume zu spannen. Außerdem ist für bessere Haltbarkeit Ripstop-Gewebe verarbeitet und durch das engmaschige Mesh des Insektenschutzgitters werden auch kleinste Blutsauger wie Gnitzen ausgesperrt. Etwas stört mich der chemische Geruch des Zeltes. Ich hoffe der verfliegt noch.

Jetzt freue ich mich auf extravagante Biwakplätze mit toller Aussicht!

Eine Insel nur für uns

Die Fakten

Preis:

– 586,49 € ohne Steuern bei Tentsile (Stand 01.08.2016)

– 598,36 € günstigster Preis inkl. Versand in D bei Bergfreunde.de (Stand 01.08.2016)

– 639,95 € meistgesehener Preis inkl. Versand in D im Netz (Stand 01.08.2016)

Lieferumfang:

– Zelt, Überzelt, Gestänge, 3 Spanngurte, 3 Gurtspanner, Zelttasche, Bedienungsanleitung, Ersatzteile

Mögliche Farben des Überzeltes (Zeltboden nur grün erhältlich):

– orange

– waldgrün

– leuchtgrün

– grau

– Tarnfleckmuster

Das Interesse am neuen Zelt ist geweckt

Gewicht:

9000 g laut Tentsile

8807 g nachgewogen: 1128 g (3x Spanngurte) + 1771 g (3x Ratschen) + 3778 g (Zelt ohne Regenüberwurf) + 1343 g (Regenüberwurf) + 523 g Gestänge + 264 g Verpackung/Ersatzteile

= 193g leichter als angegeben

Maße:

4,2 x 4,2 x 4,2 m Grundfläche

59 x 25 x 25 cm Packmaß

Auf-/Abbauzeit (1 Person):

– ab 11 Minuten Aufbau (je nach Gelände länger)

– ab 6,5 Minuten Abbau (je nach Gelände länger)

Maximale Beladung:

400 kg laut Hersteller – Wir haben mit rund 205 kg getestet (2 Erwachsene + 1 Baby + 2 Rucksäcke mit Trekkingausrüstung) und haben uns rundum sicher gefühlt. Da geht auf jeden Fall mehr!

Extra erhältliches Zubehör:

– Erdnägel

– Einstiegsleiter light

– Planen als Seitenwände unter dem Zelt

– Flaschenhalter für die Einstiegsluke

– Baumschoner

Verarbeitung

Der gute erste Eindruck hat sich nicht zu 100% bestätigt. Nach der ersten Benutzung sind uns sofort die gedehnten Nähte am Zeltboden aufgefallen. Das ist zwar noch kein Schaden, aber es könnte bei deren hohen Belastung (vgl. 400 kg Zuladung) im Laufe der Zeit die erste problematische Schadstelle am Zelt werden. Bis jetzt ist der Zeltboden dennoch sicher.

Beim ersten Aufbau dehnen sich bereits die Nähte

Alle anderen Schäden sind eher Kleinigkeiten. So ist am Mückennetz in der Nähe des Zelteingangs nach bereits einer Woche, ein Loch von 3 cm Länge entstanden. Verursacht haben wir es nicht, konnten ihm aber beim Wachsen zusehen.

Das Loch entstand von allein

Außerdem ist nach zwei Monaten ein Plastikhaken zur Befestigung des Zeltüberwurfs abgebrochen. Im mitgelieferten Ersatzteilset befindet sich aber direkt Abhilfe.

Nötige Ersatzteile sind dabei

Zudem scheinen mir die beiden Reißverschlüsse der dreieckigen Einstiegsluke am Zeltboden wenig für ihren Einsatzbereich geeignet. Da man sie, im Zelt sitzend, stets mit gewisser Belastung schließen muss, hacken die Zähne des Verschlusses falsch ein. Es ist das gleiche Problem wie beim Schließen übervoller Reisetaschen mit schlechten Reißverschlüssen. Zwei Reißverschlusszähne quetschen sich an eine Stelle, wo nur einer hingehört. Auch hier gab es aus unserer Sicht keine Probleme mit der Sicherheit. Der Reißverschluss ist an den verhakelten Stellen nie aufgegangen. Damit konnten wir auch Baby Arttu unbekümmert im Zelt spielen lassen.

Der Reißverschluss vom Ausstieg verhakt unter Belastung

Alle weiteren Stellen am Zelt sind auch nach vielen Reisewochen durch Griechenland und Norwegen in wunderbarem Zustand. Mehr noch: So wie es sich für sicherheitsrelevante Teile gehört, sind Ratschen, Gurtmaterial, D-Ringe und Spanngurte mit einem guten Sicherheitsplus oberhalb der Beladeempfehlung von 400 kg ausgelegt und haben, außer manchem Schmutzfleck, keine Gebrauchsspuren. Die Ratschen beispielsweise sind zu einer Aufnahme von mindestens 2,5 Tonnen Bruchlast ausgewiesen.

Im Praxistest

In mehreren Monaten Elternzeitreise durch halb Europa, haben wir das Baumzelt stets im Auto bzw. im Rucksack gehabt. Da sich immer einer von uns beiden ums Baby kümmern musste, kam der Zeltaufbau nur allein infrage. Das funktioniert mit etwas Übung auch ganz passabel. Einziger Knackpunkt ist dabei der Einbau vom Zeltgestänge. Wenn das niemand festhält, während es gespannt wird, kann es leicht aus der Plastiklasche am anderen Zeltende herausspringen und durchsticht dann das Fliegengitter des Innenzeltes.

Mein bequemer Schlafplatz

Ansonsten geht der Aufbau leicht von der Hand. Drei Bäume mit einem Stammdurchmesser von mindestens 20 cm im passenden Abstand zueinander (Zeltlänge 4,4 m plus Spanngurtlänge rund 6 m abzügl. Baumumfang), finden sich fast überall.
Auch Aufbau bei Regen ist möglich. Dazu muss der Zeltüberwurf von Anfang an auf das Zelt. Dadurch wird der Aufbau zwar friemeliger, aber das Zeltinnere bleibt trocken. Einzig bei starkem Wind wird das nichts. Für den Zeltaufbau benötigte ich mindestens elf und für den Abbau mindestens sechseinhalb Minuten. So schnell bekomme ich selbst manch größeres Bodenzelt nicht aufgestellt. Länger dauert es nur in schwierigem Gelände, wenn ich auf Bäume steigen muss oder es an andere Kletterei gehen würde, um die Aufhängungen zu setzen. Zudem braucht es dort noch einige Übung, um das Zelt waagerecht aufzuspannen. Hat das nämlich nicht funktioniert, wird alle Ausrüstung im Zelt später permanent in einer Ecke zu finden sein.

An die Ordnung bei Kleinteilen ist gedacht

Für die Ordnung im Inneren wären deswegen auch Staumöglichkeiten in den Zeltecken schön gewesen. Leider gibt es dort nur ein Gummiband zum zaghaften Befestigen von Ausrüstung. Kleinigkeiten lassen sich dagegen gut ordnen. An der Ausstiegsluke ist eine verschließbare Netztasche verbaut, am seitlichen Zelteingang sind offene Netzeinschübe und zwischen Gestänge und Mesh lassen sich auch Kleinteile klemmen.

Platz für Kleinteile

Sobald alles hängt, ist das Stingray ein richtiges Highlight und ein Hingucker für jeden, der vorbeigeht. Ob auf dem Boden Matsch ist, Gestrüpp, Geröll oder ein Hang abfällt, spielt für das Baumzelt keine Rolle. Auch das Versprechen von Tentsile vom insektenfreien Inneren können wir vollends bestätigen. Krabbeltiere, die man nicht selbst hereinträgt, haben bei verschlossenen Reißverschlüssen keine Chance ins Zelt zu gelangen. Ebenso konnten wir am Meer im Schatten der Bäume abhängen und waren obendrein noch den lästigen Sand los, der normalerweise überall ist, wenn wir am Strand sitzen. Unter diesen Bedingungen war es kein Problem, etwas die Augen zu schließen und abzuschalten, während unser Baby im Zelt gespielt hat. Erst, wenn er lernt, Reißverschlüsse zu öffnen, müssen wir ihn in seiner fliegenden Spielwiese wieder unter Beobachtung stellen.

Aus der fliegenden Spielwiese gibt es kein Entkommen

Da wir nicht nur am Tage am Mittelmeer in unserer überdimensionierten Hängematte waren, sondern auch auf Wanderungen in Skandinavien darin geschlafen haben, können wir es sogar als Trekkingzelt empfehlen. Mit 8,8 kg Gesamtgewicht ist das Stingray für Rucksacktouren zwar eher ungeeignet, aber beispielsweise mit einem Kajak oder Packraft fällt mir keine idealere mobile Behausung als diese ein. Die ermüdende Biwakplatzsuche nach ebenen Untergründen für ein Bodenzelt entfällt völlig. Stattdessen geht einem nur durch den Kopf: „Wo hänge ich es hin, um die geilste Aussicht zu haben?!“. Von der 360°-Aussicht im Zelt kann ich wirklich nicht genug schwärmen. Nicht nur, dass man sich eh schon höher befindet als normal, der Blick ist wirklich in jede Richtung frei,zumindest solange der Regenüberwurf nicht verbaut ist. Den bekommt man übrigens auch in Minuten aufs Zelt geworfen und abgespannt. Einige Stunden in Norwegen haben wir bei Dauerregen im Zelt verbracht. Der Regenüberwurf war die gesamte Zeit absolut dicht. Einziges Manko hierbei ist, dass Überwurf und Innenzelt (Fliegengitter) teilweise direkt aufeinanderliegen. An diesen Stellen drückt kondensierte Feuchtigkeit durchs Innenzelt und man wird nass, wenn man dagegen kommt. Getropft hat es jedoch zu keiner Zeit im Zelt. Besonders in den Regenstunden waren wir heilfroh über den vielen Platz. Laut Hersteller passen drei Erwachsene oder zwei Erwachsene mit zwei Kindern hinein. Das ist korrekt. Für uns beide mit Baby und Rucksäcken war also mehr als genug Raum vorhanden. Auch sitzen ist Luxus. 1,2 m Innenhöhe genügen selbst für größere Menschen.

Der beste Platz am Strand

Obwohl sich das Zelt nur an wenigen Punkten abspannen lässt, hat es einen kleinen Trumpf gegen aufkommenden Wind. Die drei seitlichen Dreiecke des Regenüberwurfes lassen sich schnell mit einem Plastikhaken unterm Zelt befestigen. Die Böen können somit nicht mehr zwischen Überzelt und Unterzelt fahren. Allerdings ist das Zelt dann auch schlechter belüftet, weil die Luft nur noch durchs Lüftungsgitter der Einstiegsluke dringen kann. Eine praktische Option gegen Schlechtwetter ist es dennoch.

Bei Wind können wir die „Ohren“ vom Überzelt anlegen

Einzig als Winterzelt ist das Stingray nicht geeignet. Bereits im Herbst (6°-13° C Nachttemperatur) benötigten wir eine Kombination aus guter Isomatte (Exped Synmat & Thermarest NeoAir Xtherm) und Drei-Jahreszeiten-Schlafsack (Temperaturbereich Limit Comfort bis 0 °C,) um nachts warm zu bleiben. Mit kalter Luft unterm Hintern, statt der besser isolierenden Moose, Gräser oder des Erdreichs, wird es schneller kalt im Schlafsack. Zwar würde ich sagen, dass es prinzipiell möglich ist, das Zelt im Winter zu nutzen, allerdings solltet ihr hierbei im Hinterkopf haben, dass ihr bei Weitem wärmere Ausrüstung für die Nacht braucht, als es sonst üblich ist. Vom Einsatzbereich bleibt das Stingray also ein Drei-Jahreszeiten-Zelt.

Der Regenüberwurf ist in wenigen Minuten aufgebaut

Wer im Sommer unterwegs sein möchte, der kann Gewicht sparen und die Isomatte gleich daheim lassen. Das Stingray ist bequemer als eine Hängematte, da der Rücken angenehm rund liegt, aber nicht durchhängt. Ich kann also jedem zukünftigem Baumzeltbesitzer nur die bequemsten Nächte außerhalb einer Kaltschaummatratze versprechen, die er je in der Natur verbracht hat. Leider ist der chemische Geruch des Zeltes nach vielen Tagen im Freien immer noch nicht ganz verschwunden. Wenigstens wird er merklich schwächer.

Zur Beachtung möchte ich noch anmerken, dass beim immer stark gespannten Zeltboden spitze Gegenstände schwere Schäden am Zelt verursachen können und eventuell den Absturz des Insassen zur Folge haben. Unter der gegebenen Vorsicht konnten wir dennoch den Aufbau des Zeltes oberhalb der empfohlenen Maximalhöhe von 1,2 m über dem Erdboden verantworten. Der Umgang mit offenem Feuer in unmittelbarer Zeltnähe verbietet sich von selbst und wer genauso leicht seekrank wird wie meine Frau, sollte bei stärkerem Wind nur mit Reisetabletten in der Tasche ins Stingray steigen.

Achja: Trotz dass ein Aufbau auf dem Boden möglich ist, sind keine Erdnägel im Lieferumfang enthalten. Die optional erhältlichen Baumschutzgurte halte ich hingegen nicht für nötig. An der Rinde der von uns genutzten Bäume war im Nachhinein nur minimaler Abrieb zu sehen. Lediglich, wenn die Spanngurte mehrfach an dieselben Bäume kommen, würde ich zu Schutzgurten raten.

Fazit

Das Stingray von Tentsile ist ein vollwertiges Drei-Jahreszeiten-Zelt mit den Vorteilen einer wahnsinnig geräumigen Hängematte. So etwas hat kein anderer Hersteller im Sortiment. Die nervige Suche nach einem ebenen Biwakplatz gehört der Vergangenheit an. Einzig das Gewicht macht es ungeeignet für Rucksacktouren. Für Outdoortrips mit dem Kajak oder einem Familienausflug mit dem Auto ist es hingegen perfekt. Ein paar kleine Schäden sind im Test zwar aufgetreten, aber keiner davon war relevant für die Sicherheit. Eben für diese ist der Kaufpreis nämlich auch völlig gerechtfertig. Bloß das feinmaschige Fliegengitter solltet ihr mit Samthandschuhen behandeln. Dann bleiben beim Entspannen vor unbeschreiblichen Bergpanoramen nervige Insekten weiter ausgesperrt.

Dieses Zelt kann ich jedem ans Herz legen, der etwas ganz besonderes für seinen nächsten Naturtrip sucht. Innovation, Platz und Bequemlichkeit des Stingray suchen ihresgleichen!

Perfekt für jeden Untergrund

Zum Abschluss vielen Dank an Tentsile für die Bereitstellung des Stingray Baumzeltes zum Test.
Unabhängig davon entspricht das Geschriebene meiner ehrlichen Meinung und ich erhalte für diesen Text keine Bezahlung.

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