Endlich Norwegen

Zunächst tragen sich Susis 22,5 Kilo und meine 30 Kilogramm, dem Gewicht entsprechend, passabel. Da fast die Hälfte von Susis Fracht allerdings lebendig ist und vor lauter Quirligkeit im Tragetuch auch nicht ruhig hält, wird es zunehmend unbequemer für sie und die Tragegurte meiner neuen, gebrauchten Lastenkraxe entpuppen sich als mindestens genauso problematisch. Wenigstens ist das Wetter bombastisch, genauso wie der Blick auf den, über uns thronenden, 140 Meter hohen Wasserfall Hydnefossen.

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Die Fahrtstrecke der Etappe

Ein Heim in den Bäumen

Nach wenigen Hundert Höhenmetern muss Susi leider kapitulieren. Es ist nicht das Gewicht von Baby und Rucksack, was ihr zu schaffen macht, sondern die Verteilung von beidem. Die Kombi aus Baby vorn – Rucksack hinten lässt sie schlicht nicht zu Luft kommen. Dem weisen Ritter gleich, springe ich sofort ein, um mir Susis Bergrucksack vorn aufzubinden. Für einen Moment empfinde ich das sogar als angenehm, weil die Schultergurte der Lastenkraxe nun nicht mehr so sehr an den Schultern nach hinten ziehen. Aber nicht einmal einen Kilometer weiter, verwandelt sich der Heldenmut in Selbstüberschätzung. Unter Sturzbächen aus Schweiß verkünden meine Knie, ihren schmerzfreien Dienst für immer einzustellen, wenn ich nicht eines von beiden Gepäckstücken wieder absetze. Einzige Lösung der misslichen Situation ist es, den Weg ab jetzt doppelt zu laufen; für jeden Rucksack einmal. Währenddessen können wenigstens meine beiden Mitstreiter etwas verschnaufen.

Recht weit oben am Hang endet die Schotterpiste und ein schmaler Pfad führt in den niedrigen Bergwald hinein. Damit lassen wir endlich Hochspannungsmasten, Straßen, Kiefernmonokulturen und Holzeinschlagsflächen hinter uns. Wildnis wir kommen!

… zumindest bis zu dem Punkt, an dem sich der Pfad im dicksten Dickicht am Berghang verliert. Ärgerlicherweise sind wir nämlich auf keinem menschengemachten Pfad gewandert, sondern auf einem Weg von Schafen. An dem Punkt, an dem wir gerade stehen, gab es für die Mähs offensichtlich keinen Grund mehr, ein aufs andere Mal den gleichen Weg entlang zu trampeln, sondern sich lieber einzeln ins Gebüsch zu schlagen. Um doppelte Wege mit dem sperrigen Gepäck im Gestrüpp zu vermeiden, mime ich den Scout, um die beste Richtung auszukundschaften. Etwas über eine Stunde später ist Susi bereits ganz in Sorge, da sie mit dieser Dauer nicht gerechnet hat. Die gute Nachricht ist, wir müssen nicht mehr weit bis zum Biwakplatz mit Sicht auf den Wasserfall. Es fehlen lediglich 120 Meter schräg den Abhang hinauf. Die schlechte Nachricht jedoch ist, dass unsere Idee vom unterhalb des Wasserfalles hängenden Baumzeltes, Essig sein wird. Selbst ohne Gepäck ist die Strecke in der wegelosen Natur schweißtreibend, aber mit Ausrüstung kaum in einem Tag zu schaffen. Ducken, springen, übersteigen, waten und leichte Kletterei am Hang ist zu aufwendig und obendrein mit Baby zu riskant.

Mit diesen Vorzeichen im Hinterkopf fällt es nicht schwer, den etwas weiter als geplant entfernt liegenden Wasserfall voller Genuss in die Tiefe stürzen zu sehen. Die Sonne scheint, Essen für drei Tage steckt reichlich im Rucksack und Mr. Baby ist vom Zelt mit Ausblick noch begeisterter als wir.
Wieso es eigentlich ein bockschweres neun-Kilogramm-Baumzelt sein musste? Weil jede andere unserer transportablen Behausungen hier am Hang einem kenternden Schiff näher käme, als einem Zelt. Zudem ist bei Platz für drei Erwachsene im Baumzelt genügend Raum fürs Baby zum Krabbeln. Absolut traumhaft ist auch der 360°-Ausblick, zumindest solange das Wetter den Regenschutz nicht nötig macht. Vorsichtshalber ziehe ich ihn vor dem Dunkelwerden dennoch übers Zelt. Leider zu Recht. In der Nacht ereilt die Landschaft ein Regenschauer, der bis in die Nachmittagsstunden anhält. Unsere kleine Baumvilla sperrt das Wetter zwar zuverlässig aus, ist aber logischerweise kein Garant für Wärme im Nachtlager. Auch wenn das Liegegefühl nah an eine Hängematte heran reicht, bekommt Susi nicht den Schlaf, den sie verdient. Arttu hat trotz Schlafsack so kalte Händchen, dass er einen Großteil der Nacht auf der Mama verbringen darf.

Die nachmittags durch die Nebelschwaden brechende Sonne veredelt den Tag nun dennoch so sehr, dass wir den Entschluss einen Tag eher zum Auto zurück zu kehren fasst wieder umwerfen. Für Arttu waren die Nachttemperaturen allerdings definitiv zu niedrig. Beziehungsweise hält Susi eine zweite Nacht in Folge mit Kind auf dem Bauch nicht durch. Mit Sonne im Nacken wird nun wenigstens das Zelt trocken, genauso wie wir selbst auf dem Rückweg. Am Auto angekommen bleibt keine Zeit mehr für die Weiterfahrt, aber genügend um die Ausrüstung einzusortieren, die schmerzenden Rückenmuskeln im Gebirgswasser zu kühlen und sich ausgiebig zu waschen.

Gebirgswelt der Riesen

Weniger als den halben Tag fahren wir vom Hydnefossen im Hemsedal zu den höchsten Gipfeln Skandinaviens im Jotunheimen Nationalpark. Es ist kein Wunder, dass sein Name so viel bedeutet wie „Heim der Riesen“. Da die Baumgrenze hier bei maximal tausend Metern liegt, wirken die nebelumspülten, kahlen Felsmassive vor unserem Fahrzeug noch gewaltiger als ihre bloße Höhenangabe vermuten lässt. Graue, runde Felsköpfe wechseln sich mit allerlei Grüntönen und kleinen weißen Tupfern aus Restschnee ab.
Ich liebe diese baumlosen, weiten Landschaften mit reinem Trinkwasser und menschenfeindlichen Bedingungen ungefähr so sehr wie andere einen weißen Palmenstrand in den Tropen. Ab und zu verkehrt sich das aber auch ins Gegenteil. Nämlich wenn mit Ausnahme des Schlafsackes bereits alle Ausrüstung nass ist, ich mit Susi im Leichtzelt nicht mehr weiß wie ich sitzen soll, weil es sehr niedrig ist und der eiskalte Wind bereits so lange dicke Regentropfen waagerecht an die Zeltwand geworfen hat, dass ich mich frage wohin ich den nächsten Toilettengang in mir noch verdrücken soll. Zum Glück gibt es pro Tour meist immer nur einen Hassmoment :p Davon abgesehen kommt mit dem Baby diese Art Camping eh gerade etwas zu kurz.

Was Norwegen, bzw. Skandinavien, vielen anderen tollen Reiseländern voraus haben, ist das Recht zum freien Übernachten, das Jedermannsrecht („Allemannsrett“). Das beinhaltet unter anderem noch Sammeln von Beeren, Aufenthalt in der Natur und Angeln an den Küsten. So wirklich ist davon das mehrtägige Campen mit dem Fahrzeug zwar nicht abgedeckt, doch eine Nacht ist absolut kein Problem. Viele Norweger besitzen selbst einen Camper. Für uns macht es den Anschein, als seien es sogar mehr, als bei den reiselustigen Niederländern. Auf jeden Fall sind entlang der Gebirgsstraße 51 ausreichend kostenfreie Stellplätze neben dem Asphalt vorhanden, um die Nacht umgeben von der Wildheit Jotunheimens zu verbringen.

Wir nutzen das gleich zwei Nächte in Folge. Zwar überschattet den zweiten Tag etwas eine weitreichende Grundsatzdiskussion zwischen Susi und mir über die Zukunft des gemeinsamen Outdoorsports, aber für eine Wandertour ist dennoch einen regenfreien Nachmittag lang Zeit. Sogar Wäsche waschen ist noch drin; ganz altmodisch mit Bürste, Waschschüssel und biologisch abbaubarem Waschmittel. So sehr mich das viele Windelwaschen auch stört (dabei muss ich‘s nichtmal machen), so kann ich, im Gegensatz zur Griechenlandtour, diesmal stolz behaupten, dass wir das Konzept der Stoffwindeln auch auf Reisen durchhalten. Ehrlicherweise gebühren aber vor allem Susi die Lorbeeren hierfür. Einen Einblick in den Aufwand, den sie betreibt, um unseren Nachwachs ökologisch aber trotzdem kostengünstig rein zu halten, gibt sie in der Grünen Ecke unserer Webseite. Sie freut sich, wenn ihr dort mal rein schaut.

Am Ende einer zähen Diskussion zwischen unausgeschlafenen Eheleuten steht dann glücklicherweise wie so oft die Lösung zum greifen nah in der Luft. Mit Erleichterung stelle ich fest, dass es gar nicht darum geht, meinen rundum geliebten Outdoorsport an den Nagel zu hängen. Susi ihrerseits merkt, nicht weniger begeistert, dass ich vollstes Verständnis dafür habe, dass sie sich in ihren Urlauben nicht auf eisigen Alpengipfeln oder irgendwelchen endlosen Schneewüsten den Arsch abfrieren will. Zumal, da sind wir uns zweifelsfrei einig, wir in Zukunft beim Thema Outdoorsport mit Kind leider eh etwas kürzer treten müssen. Auf jeden Fall ist die Stimmung also 24 Stunden nach Eklatbeginn gerettet und die Reise kann voller Elan weitergehen. So schön die Hochebenen und Berge auch sind, aber nach ein paar Tagen sehnen wir uns nach etwas mehr Wärme als nur 10°C, keinen beißend kalten Wind mehr rund um die Uhr und vor allem bitte, bitte keinen Nebel mit endlosem Regen.

Hitzige Zeit in Lom

Nichts klingt da verlockender als ein Ort mit dem Beinamen „Sahara des Nordens“. Angeblich sind die Niederschlagsmengen in der Berggemeinde Lom mit circa 270 – 300 mm so niedrig wie in Nordafrikas Sandwüste. Bedeutet das, wir haben einen der wenigen kostbaren Regentage des Jahres erwischt, als wir mit Hardshelljacke am geschlossenen Freilichtmuseum in Lom ankommen? Wir wollen es eigentlich gar nicht erst heraus finden, wie viel oder wenig es hier wirklich regnet. Die Tatsache, dass die Schleusentore des Himmels auch hier geöffnet sind, reicht uns.
Schnell noch um die alte Stabkirche gehuscht, eine Nacht am nahen Fluss verbracht, die Funde von Gletscherarchäologen im Norsk Fjellmuseum bestaunt und schon sieht die verregnete Saharagemeinde die Rücklichter vom Bulli.

Pustekuchen!

Auf der Weiterfahrt bemerkt Susi Arttus glühende Stirn. Das grüne Frosch-Fieberthermomether wird in den kommenden Tagen alles Mögliche von 38,3 bis 39,9 °C anzeigen. Ein Albtraum! Auf jeden Fall bleiben wir der Gemeinde Lom nun noch etwas erhalten, denn sie hat den am nächsten gelegenen Arzt. Zwei Besuche bei Frau Doktor später entspannen sich die elterlichen Nerven etwas. Die Bluttests sind in Ordnung, genauso wie der Gesamteindruck unseres Sprösslings, abgesehen von einem etwas geschwollenen Hals. Mithilfe der europäischen Krankenversicherungskarte (Rückseite der gesetzlichen Versicherungskarte) ist die gesamte Bürokratie bei der Sprechstundenhilfe nicht schwieriger als in Deutschland. Sie tippt die Daten lediglich ein. Die Auslandskrankenversicherung ist seit 2005 in Norwegen nicht mehr nötig. In einem privaten Krankenhaus hätten wir zwar eventuell in Vorleistung gehen müssen, aber wohl trotzdem im Nachhinein das Geld von der Kasse zurück erhalten. Soweit wir es, trotz Sprachbarriere verstanden haben, ist die Behandlung für Kinder unter 16 Jahren zudem weitgehend kostenfrei in Norwegen.

Kurz vor Ende der Fieberzäpfchenpackung nach dreieinhalb Tagen, werden die müden großen Kulleraugen von Arttu langsam wieder lebendiger. Das Fieber sinkt. Die Ärztin hatte recht, dass es sich um das Dreitagefieber handelt. Dieses stehen wohl die meisten Menschen bis zum dritten Lebensjahr ohne schwerere Komplikationen einmal durch. Zumindest wenn man plötzliches, erschreckend hohes Fieber nicht als Solche versteht.

Ganz schlecht war die Zwangspause auf dem schicken vier Sterne Campingplatz Nordal Turistsenter dennoch nicht. Wir konnten Windeln waschen und haben uns doch noch die Zeit genommen, die Stabkirche von innen zu besichtigen. Trotz happigen 120 Kronen Eintritt (rund 13 Euro) ein lohnender Nachmittagsausflug. Das alte Gebäude besteht ausschließlich aus Holz, welches von außen gegen die Witterung geteert ist. Schon im Freien vermittelt der Geruch den Eindruck eines hochwertigen Antikwarenhandels. Obwohl das Christentum zweifelsohne nach deren Blütezeit Verbreitung in Norwegen fand, erinnert mich die wilde Symbolik der Holzelemente vor allem an die Wikinger. Ein tolles Flair!

Neugierige Urviecher

An Tag vier der Schinderei für Mr. Baby endet der ganze Fieberspuk nun mit den obligatorischen roten Pünktchen am ganzen Körper. Zu diesem Zeitpunkt sind wir aber bereits wieder auf der Straße Richtung Rondane Nationalpark. Die Ärztin hatte nach Abschluss aller Tests von sich aus angeregt, dass wir unsere Reise doch fortsetzen sollen. Obwohl derartige Vorschläge sonst immer von mir kommen, hatte ich ein mulmiges Gefühl mit dem kleinen Patienten einfach so fern ab der Heimat umherzugondeln. Zum Glück war diese Eingebung unberechtigt. Es ist schon ein komisches Gefühl, wie alle eigenen Bedürfnisse und Wünsche auf einmal hinten anstehen, wenn es dem Nachwuchs schlecht geht. Umgedreht erfahren wir mit Arttus Genesung dafür nun einen ordentlichen Motivationsschub. Was kann uns da der alltägliche Regenguss am Abend schon anhaben? Genau, ausnahmsweise einmal nichts. Erst das Schnaufen eines Dinosauriers neben meinem Kopf durchbricht die Stimmung.

Ich sitze im geparkten Bulli am Rande der Baumgrenze auf dem Beifahrersitz, während die beiden anderen hinten auf der Liegefläche spielen. Im Regennebel hat sich unbemerkt ein Hochlandbewohner vor die Beifahrerseite geschlichen, der nicht nur so groß und haarig wie ein Wikinger ist, sondern sich auch noch mit mindestens genauso großen Hörnern auf schmückt. Mit einer Distanz von wenigen Zentimetern ist das Weiße in den Augen der Kuh mehr als deutlich zu erkennen. Der Mut des ersten Hochlandrindes gegenüber dem Blechkasten treibt gleich einer ganzen Herde der Zottelviecher die Neugier ins Blut. Eines nach dem Anderen trollt sich aus den Büschen, um unser so idyllisch geparktes Heim zu untersuchen. An allen Ecken und Enden des T4 poltern die Hörner. Einmal Auto anlassen genügt zwar für einen Schreckmoment bei den Belagerern, blöderweise hält der nicht wirklich lange. Ein Kalb beißt sogar in den Außenspiegel. Zum Glück ist das der einzige Kratzer, den die Herde am Auto hinterlässt. Mit Auto anlassen, Türen öffnen und einigen forschen Worten bleiben die Hochlandrinder wenigstens ein paar Meter auf Abstand, während sie sich neben uns zum Schlafen niederlegen. Ich weiß zwar, dass sie eigentlich Fluchttiere sind, ihre Augen mich theoretisch größer wahrnehmen, als ich bin und außerdem noch alle anwesenden Hornträger Weibchen sind, aber dieses Wissen auf die Probe stellen möchte ich dennoch nicht. Keine Ahnung, wie sie sich verhalten werden, weil sie Kälber dabei haben. Da begnüge ich mich beim Fotosschießen, auf Sprungdistanz zur offenen Wagentür zu bleiben. Immerhin kommen sie nicht näher, wenn ich die Arme in die Luft hebe. Mutig werden sie hingegen wieder, sobald ich mich für eine bessere Fotoperspektive auf den Boden hocke. Sehr ärgerlich.

Beim Blitzen der ersten morgendlichen Sonnenstrahlen zwischen unseren dunkelblauen Vorhängen sind alle Hochlandrinder verschwunden. Die Wiese gehört wieder uns. Apropos Sonnenstrahlen: Der blaue Himmel schreit förmlich nach Erkundung der Umgebung. Einen Wanderweg gibt es zwar nicht, doch ein paar Hundert Sträucher und krüppelige Bäumchen später, breitet sich weicher Boden aus Moosen und Flechten über der Bergkuppe aus, die wir gerade erklimmen. Gegen Mittag sitzen wir, bei nahezu Windstille, in kurzen Sachen auf dem Bergrücken, während mich die tolle Sicht und viele angenehme Minuten zu dritt vergessen lassen, wie gern ich in dieser abgeschiedenen Stille eine Mehrtagestour mit Zelt unternehmen würde.

Zurück am Auto begegnen uns zwei einheimische Jägerinnen mit Geländewagen. Sie brechen gerade zur Rentierjagd auf. Überhaupt scheint die ganze Gegend fest in norwegischer Hand zu sein. Mit einer Ausnahme begegnet uns kein ausländisches Kennzeichen auf der Hochlandstraße. Nur Dutzende Jagdhütten, Angelteiche und norwegische Geländewagen sind hier und da am Rand der Schotterpiste zu sehen. Hier verbringt also der naturverbundene Norweger seine Freizeit. Eine angenehme Abwechslung zur touristischen Betriebsamkeit von vorangegangenen Teilen unserer Strecke. Besonders schön öffnet sich der Blick ins Tal aufs Grimsdalsmyrene Naturreservat. Die Bergrücken zu den Seiten sollen 50 Millionen Jahre alt sein und stammen aus dem Tertiär. Zwischen den Hängen schlängelt sich ein Fluss völlig ungehindert vom Menschen durch die Talsohle. In seinen Überschwemmungszonen hat sich morastiges, bewachsenes Gelände gebildet, das in allen Braun- und Grüntönen erscheint, die die Farbpalette zu bieten hat. Trotz Wolken am Himmel ist es ein toller Anblick. Nur mit der Kamera vermag ich es diesmal nicht, ihn richtig einzufangen.

Wieso wir vor der hübschen Kulisse nicht die Nacht verbringen, wissen wir im Nachhinein selbst nicht genau. Ebene Standplätze am Rand der Straße hätte es genug gegeben. Wie es der Zufall so will, läuft uns einige tolle Bergpanoramen später allerdings noch ein schönes Fleckchen im Grünen außerhalb des Reservates über den Weg. Am eigenen kleinen Flüsschen werden wir erst einmal bleiben.

Liebe Grüße aus Norwegen,

Die drei Elternzeitnomaden

Tipps zum Reiseabschnitt: europäische Gesundheitskarte für Arztbesuche dabei haben (Rückseite der gesetzlichen Versichertenkarte); eine Auslandskrankenversicherung ist in Norwegen seit 2005 nicht mehr nötig (nur z. B. für den Krankenrücktransport); der Jotunheimen Nationalpark ist wahnsinnig sehenswert, aber sehr besucht; kostenfreies WLAN gibt es in Lom im Museum und an der Touristinformation; das Grimsdalsmyrene Naturreservat (80 NOK Maut in bar auf der Hochlandstraße) ist für uns ein wenig besuchter Geheimtipp mit Sicht auf die Gipfel vom Rondane Nationalpark – Plätze zum freien Stehen gab es ausreichend

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18 Gedanken zu „Endlich Norwegen“

  1. Hallo Ihr Lieben,
    haben wieder mit Interesse den Beitrag förmlich aufgesaugt. Es ist schier unglaublich. Unglaublich wie Ihr es meistert und welche Anstrengungen Ihr Euch abverlangt. Da denken wir eine Fahrradtour auf Krk mit 10% Steigung sei der Hammer.
    Schön zu sehen wie Arttu sich entwickelt. Er sieht wirklich goldig aus.
    Eigentlich kann man in einem Kommentar unsererseits gar nicht zum Ausdruck bringen wieviel Spaß das Lesen macht (klingt schleimig…….).
    Wir freuen uns auf weitere interessante und lustige Berichte und wünschen Euch trotz vieler Strapazen eine angenehme Zeit.
    Die GE ms.( Jugendamtsjargon..)

    1. Danke euch für die Lorbeeren. Wir geben uns Mühe die Qualität trotz manchem Zeitdruck hochzuhalten und auch wenn ihr einmal einen Verbesserungsvorschlag oder eine Korrektur habt könnt ihr die gern loswerden. Fahrrad fahren bei 10% Steigung finde ich übrigens auch sehr anstrengend :p

      Noch viel Spaß im sonnigen Kroatien,

      Susi, Arttu & Hagen.

  2. Wow, einfach klasse! Diese Landschaften und Eindrücke sind unbeschreiblich! Ich muss sagen dass ich wirklich neidisch auf euch bin, aber mich freue das ihr es erleben könnt.
    Es muss unglaublich anstrengend sein mit einem Kind. Ich wüsste nicht ob ich diese Tour mit einem Kind machen würde, d.h mein Respekt an euch beiden.

    Der Artikel ist super toll zu lesen und macht unglaublich Spaß auf mehr.

    Gruß Jan

    1. Du hast recht, dass es wenig Erholung für uns beide war. Dennoch hat es viel Spaß gemacht und Arttu hat es auch super gefallen, ganz besonders die Zeit im Baumzelt. Ich kann die Tour wirklich zur Nachahmung mit Kind empfehlen.

      Es freut mich sehr, dass Dir das Lesen Spaß gemacht hat.

      LG Hagen

  3. Boah leck! Wie toll, mutig, eindrücklich Mr. Baby aufwachsen darf, wie mutig und einfach nur schön von Euch, das zu machen.

    Weiter, und danke für den munteren Lesestoff. Ihr habt einen neuen Follower gewonnen 🙂

    ps: ein Hoch auf Europa!

    1. Ich kann es auch von ganzem Herzen empfehlen als Eltern sich etwas mehr zu trauen als üblich. Die Reise mit Baby war zwar kaum Erholung, aber unersetzlich in ihren Eindrücken. Dem Kleinen gefiel es ebenfalls super. Nur schade, dass er bald nichts mehr davon weiß.

      Von neuen Beiträgen bei uns erfährst du auf Twitter & Facebook als erstes. Schön, dass wir dich als Leser gewinnen konnten 🙂

  4. Baumzelt, Gepäck und Kind hochschleppen, klingt echt hart. Respekt. Das Zelt schaut auch bequem aus, allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass es recht kühl von unten wird, richtig?

    1. Das ist richtig. Als Schlafsack im Baumzelt solltest du einen mit mindestens 5 bis 10 Grad mehr Temperaturreserve haben, als in einem Bodenzelt. Der Liegekomfort ist aber unersetzlich und hat ein bisschen was vom Liegen in einer Hängematte.

  5. Für mich wird mein Traum 2017 endlich erfüllt. Im August starte ich in Tønsberg beim Triathlon und dann werden wir noch eine Woche im Hardangervidda mit Zelt wandern. Ich fürchte zwar, zu der Zeit wird man regelrecht aufgefressen, aber es wird hoffentlich zum überleben sein.

    Zum Video: Hast du ernsthaft eine Drohne mit auf Wandertour genommen?

  6. Bei jeder meiner drei Besuche auf der Hardangervidda hat es die meiste Zeit gezogen wie bei Zugdurchfahrt im U-Bahnschacht. Die Chancen stehen also gut, dass auch du weitgehend Ruhe vor den Plagegeistern hast und die atemberaubende Landschaft genießen kannst.

    Ähm, ja O:-) irgendwie konnte mir meine Frau die Verücktheit mit der Drohne nicht ausreden. Oben angekommen waren wir aber wieder beide froh drüber.

    Ich wünsch dir viel Erfolg beim Triathlon und euch eine tolle Woche auf der Vidda,
    Hagen

  7. Hallo Hagen,

    für eine kleine Tagestour ist das aber ordentliches Gepäck mit dem Baumzelt. Im Fjordnorwegen hatten wir allerdings immer ein schönes Plätzchen gesehen oder gefunden, wo man ein normales Zelt hätte aufbauen können.

    Ich glaube ich bin da eher der Pragamatiker. Schönes 3-4 Kilogramm und dafür für Papa eine Hopfenkaltschale mitnehmen und für die Mama eine Prosecco Piccolo mitnehmen.

    Schöne Bilder, guter Text, aber vielleicht den jetzigen Beitrag in 2-3 Artikel aufsplitten und die Bilder im größeren Format zwischen streuen. Das sind jetzt nur kosmetische Tipps.

    Gruß Mario

    1. Hallo Mario,

      ja, Baumzelt, Drohne und Stoffwindeln haben ordentlich aufs Gewicht gedrückt.
      Für die Biwakplatzsuche gibt es auch viele entspannte Fjorde, das ist richtig. Kaum zu finden sind normale Schlafplätze dafür an steilen Küsten, wie Teilen des Åkrafjord an dem wir 2015 waren. Dort wäre im Kajak das Gewicht des Baumzelts zusätzlich zur Getränkekiste auch nicht aufgefallen 😉

      Mit der Blogkosmetik hast du auf jeden Fall recht, das muss ich mir in Zukunft mehr zu Herzen nehmen.

      Danke für das Feedback,
      Hagen

  8. Was für eine Geschichte. Norwegen ist schon eines der Traumdestinationen.
    Macht Lust auf mehr.
    Aber wie mein Vorschreiber: aufteilen oder strukturieren. Ist sehr lang.

    Liebe Grüße
    Robert

    1. Es freut mich, dass es trotz der Länge Lust auf Norwegen macht. Denn schon die fünfmonatige Elternzeitreise in möglichst wenige tausend Worte zu bringen war eine Herausforderung.
      Nach der Beitragsreihe zur Elternzeittour Ende dieses Jahres werde ich beginnen kürzere Beiträge zu erstellen.
      Danke für Deine Zeit und den Hinweis.

      Beste Grüße,
      Hagen

  9. Hallo Hagen,
    diese Jahr war ich zum ersten Mal in Norwegen und teile die Begeisterung nur zu gut 🙂 Das 9 kg Baumzelt ist schon der Hammer – da braucht es keine Fitnessbox mehr ;))
    Ich finde es darüber hinaus auch super, wie ihr anderen Eltern ein Vorbild seid und solche Touren mit dem Zwerg unternehmt. So frei in der Natur aufzuwachsen, kann man sich als Kind nur wünschen 🙂
    Liebe Grüße,
    Bianca von lebedraussen

    1. Hey Bianca,
      danke für das Feedback. Deine Fjordchallenge habe ich mir gerade angeschaut und würde am liebsten gleich wieder mit der Urlaubsplanung beginnen! Bruderleichtfuss ist wirklich zu beneiden, dass er dort lebt.

      Beste Grüße,
      Hagen

  10. Alter Schwede… ähm Norweger. Als ich dein Gepäck gesehen habe musste ich erstmal kräftig schlucken. Da würde ich sicherlich drunter zusammenbrechen 🙂

    Als ich dann aber gesehen habe, dass du tatsächlich eine Drohne mitgeschleppt hast, wurde ich dann doch ein wenig neidisch. Ich hoffe aber doch, dass du diese nicht nur für die paar Sekunden mitgeschleppt hast und wir bald noch viiiiieeel mehr Luftaufnahmen aus Norwegen erleben können!

    LG Dennis

    1. Hey Dennis,
      es ist wirklich einiges an Luftaufnahmen entstanden, nicht nur in Norwegen, sondern von der gesamten Reise ab Griechenland. Ein paar Sequenzen davon streue ich in die Beiträge ein und nach viel Arbeit wird es einen Kurzfilm zur gesamten Reise geben.
      Viele Grüße,
      Hagen

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